50 Jahre Frauenfußball

Kommentar: Wir brauchen fair pay – und endlich echte Wertschätzung

Meinung50 Jahre Frauenfußball beim DFB – aber haben wir wirklich Grund zu feiern? Die Gehälter sind von fairer Bezahlung meilenweit entfernt und Wertschätzung sieht anders aus, finden zwei Redakteurinnen von Sportfrauen.

Diese Woche haben wir ein Jubiläum gefeiert: 50 Jahre Frauenfußball beim DFB. Und seit der Deutsche Fußball-Verband sein Verbot am 31. Oktober 1970 aufhob, hat sich einiges getan. Doch was faire Bedingungen angeht, noch lange nicht genug. Finden wir und viele andere, mit denen die Sportfrauen-Redaktion gesprochen hat. Und deswegen sollten wir uns mit den Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte auch nicht zufriedengeben – sondern mehr fordern. Laut und deutlich!

Deutschland – eine Männerfußballnation

Deutschland ist eine Fußballnation, ein Land, in dem der Fußball im Sport immer an erster Stelle kommt – das zeigen nicht zuletzt die Maßnahmen aktuell in der Corona-Pandemie. Aber die Fußballnation ist in meinen Augen vielmehr eine Männerfußballnation. TV-Zeiten, Bezahlung, Spielbedingungen – überall haben Männer die Nase vorn. Bei meinen Recherchen erzählte mir etwa Petra Landers, dass sie kaum Bundesliga schaue, weil die Zeiten so unmöglich seien. Eine Sache der Nachfrage? Oder wird diese vielmehr durch das Angebot bestimmt? Wir sind sicher: Frauenfußball könnte in Deutschland viel attraktiver sein, wenn man ihn auch entsprechend darstellt. In den Medien, bei Vereinen und nicht zuletzt beim DFB.

Dass das funktioniert, machen uns Länder vor England. Auch eine Fußballnation, scheinbar aber eine für alle Geschlechter. Männerclubs haben dort längst Frauenteams unter ihren Deckmantel gezogen und sie in eine gemeinsame Kostenstruktur integriert. Die Aufmerksamkeit wird dadurch automatisch größer, die Vereine haben die Möglichkeit, namhafte Spielerinnen auf die Insel zu holen und sich völlig neu aufzustellen. Deutsche Spielerinnen zum Beispiel wie Melanie Leupolz. Ein solcher Schritt sei in Deutschland aktuell undenkbar, sagen Gesprächspartner unserer Redaktion. Männer und Frauen werden meist strikt getrennt – auch 50 Jahre nach Aufhebung des Verbots.

Führende Spielerinnen müssen lauter werden

Führende deutsche Spielerinnen sind viel zu leise, wenn es um den Kampf um Gleichberechtigung geht. Nur wenige von ihnen, etwa Wolfsburgs Torhüterin Almuth Schult, weisen auf die Missstände hin. Andere wie Nationalspielerin Dzsenifer Marozsán sagen etwa im Gespräch mit ZDFsport.de, es sei nicht ihre Aufgabe, sich um die Höhe der Prämien zu kümmern. Schade. Gerade eine Spielerin wie Marozsán kann sich in Deutschland Gehör verschaffen. Aber auch sie hat der deutschen Bundesliga den Rücken gekehrt und verdient aktuell bei Olympique Lyon laut einer Recherche des MDR eta 300.000 Euro pro Jahr.

Klar, Frauen haben nicht dieselben Einnahmen wie Männer und zum Beispiel wird das Nationalteam der Frauen auch von den Einnahmen der Männern finanziert. Das finden wir gut. Aber während Männer bei einem WM-Titel 350.000 Euro Prämie pro Kopf bekommen, wären es bei den Frauen zuletzt 75.000 Euro gewesen. Da war von einer Rekordsumme die Rede. Vielmehr wäre es aber eine Rekord-Differenz gewesen. Und die ist in der Bundesliga noch extremer. Statistiken sprechen zwar von rund 40.000 Euro Jahresgehalt der Spielerinnen, doch eigenen Quellen zufolge liegt das Gehalt deutlich darunter. Im Schnitt sollen die Spielerinnen 1.500 Euro im Monat bekommen, also 18.000 Euro im Jahr – Topclubs wie München und Wolfsburg mal ausgenommen. Bei den Männern sind es im Schnitt mehr als 800.000 Euro pro Jahr. Das Bedarf keiner weiteren Worte mehr. Die Ungleichheit liegt auf der Hand.

Leisten Frauen wirklich weniger?

Als ehemalige Bundesligaspielerin und -trainerin sagte Petra Hauser unserer Redaktion, die Zeiten hätten sich zwar geändert, nicht aber die Gehälter für die breite Fußballmasse in Deutschland. Zwar gebe ist durchaus Spielerinnen mit Profiverträgen – doch mit den Minigehältern seien keine großen Sprünge möglich. Vielmehr müssten einige den Lebensunterhalt mit Nebenjobs absichern.

Über die gleiche Bezahlung im Männer- und Frauenfußball sagt DFB-Präsident Fritz Keller etwa, dass es Equal Pay auch nicht zwischen der Kreisliga und der Bundesliga gebe und dass es in unserer Gesellschaft eben um Leistung gehe. Dass Kreisliga und Bundesliga nicht dasselbe verdienen, ist richtig. Schließlich sind die Aufwände nicht zu vergleichen. Während in der Kreisliga nicht selten die Hälfte der Mannschaft mit einem Kater vom Vortag auf dem Feld steht, spielt der Fußball im Leben der Bundesligisten eine ganz andere Rolle. Aber tut er das nicht auch im Leben einer Bundesligistin? Bringt die nicht dieselben Opfer, spielt mit derselben Anstrengung, hat nicht dieselben Zeitaufwände? Wir finden: Doch. Wenn nicht die Leistung sogar größer ist, da die Spielerinnen von weniger Luxus und Annehmlichkeiten profitieren.

Mehr Wertschätzung notwendig

Statt equal pay wäre es zunächst also angebracht, angemessen zu bezahlen. Fair pay. 18.000 Euro im Jahr sind das nicht – und 800.000 Euro schon gleich gar nicht. Wenn Vereine und Verband nach 50 Jahren organisiertem Frauenfußball noch immer nicht erkannt haben, welche Leistung die Fußballerinnen bringen, dann sind wir noch lange nicht so weit, wie wir dieser Tage vielleicht meinen, feiern zu können. Dann kämpfen wir noch immer für dasselbe, wie vor Jahrzehnten Petra Landers, Anne Trabant-Haarbach und Silvia Neid: die Wertschätzung für Frauenfußball.

Verfasst von Nina Probst und Marion Kehren

Erschienen in 50 Jahre Frauenfußball, Fußball am 01. November 2020

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