Challenge Roth: Überlegener Heimsieg für Anne Haug

Freud und Leid liegen oft sehr nah beieinander. Nach der Verschiebung der Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii von Oktober auf Februar 2022, hatte Triathletin Anne Haug wieder Platz im Terminkalender und konnte endlich beim Heimrennen in Roth starten.

Endlich endlich wieder Triathlon in Roth! Nach der pandiemiebedingten Absage im Jahr 2020 und der Verschiebung diesen Jahres um zwei Monate in den September, freuten sich 1450 Einzelstarter und 290 Staffeln auf ihren Start beim legendären Langdistanz-Triathlon bei der DATEV Challenge Roth. Anders war vieles, aber der Charme dieser Traditonsveranstaltung im Triathlon-Mekka Roth konnte man trotzdem spüren, selbst hinter dem Bildschirm. Morgens um 7 Uhr erfolgte bei einer angenehmen Wassertemperatur von 19,3 Grad der erste Startschuss für die Profitriathleten. Wenige Minuten nach dem die Männer gestartet waren, folgten die Profitriathletinnen. Der Veranstalter freute sich sehr, dass die amtierende Langdistanz-Weltmeisterin und Lokalmatadorin Anne Haug endlich auch im Teilnehmerfeld zu finden war. Die Athleten hatten eine leicht veränderte und verkürzte Radstrecke zu absolvieren, somit bestand der Arbeitstag aus 3,8km Schwimmen, 170km Radfahren und einem abschließenden Marathonlauf (42,195km).

Grundsteinlegung im Schwimmen

Anne Haug ist in der Triathlonszene eher als nicht starke Schwimmerin einzuschätzen. Über Jahre hat sie mit ihrem Trainer Dan Lorang und ihrem Schwimmcoach Michael Hahn aber viel an ihrer schwächsten Disziplin gearbeitet. In Roth schaffte sie es bereits in der ersten Teildisziplin den Anschluss zu der schnellsten Schwimmerin zu halten und verlies als Zweite nach 52:11 Minuten das Wasser des Main-Donau-Kanals.

@TEAMCHALLENGE/ Christoph Reithel

Auf dem Rad einen Vorsprung rausgefahren

Normalerweise werden die Triathleten bereits an der Radstrecke frenetisch von den 200 000 Zuschauern angefeuert, doch davon war eher wenig dieses Jahr zu spüren. Die Fränkin Anne Haug lies sich nicht entmutigen und steuerte sehr selbstbewusst Richtung Spitze. Relativ schnell konnte sie die Britin Fenella Langridge, welche nach dem Schwimmen und dem Wechsel noch vor ihr lag, überholen. Mit dem Wissen die schnellste Läuferin im Profifeld zu sein, darauf wollte sich die 38-jährige nicht verlassen und brachte mächtig Druck auf die Pedalen. Nach dem Radpart hatte sie sich ein Zeitpolster von bereits zwölf Minuten auf die Zweitplatzierte herausgefahren.

Absolute Machdemonstration auf der Marathonstrecke

Bei den idealen Wetterbedingungen (Sonne und einer Lufttemperatur von 25 Grad) begab sich die ehemalige Leichtathletin auf die abschließende Marathonstrecke. Augenscheinlich konnte man ihr keine Schwierigkeiten ansehen. Nahezu mühelos absolvierte sie Kilometer um Kilometer in einem sehr schönen gleichbleibenden Laufstil. Doch der Schein trügte, wie sie nach dem Rennen im Interview verriet.

 Ich hatte heute gute Füße. Aber ab Kilometer zehn dachte ich, ich muss sterben. Ich habe richtig gelitten.

@TEAMCHALLENGE/ Simon Fischer

Trotz einigen "Boxenstops" auf den mobilen Toiletten an der Strecke, hatte sie einen Marathonsplit von 2:43:54 Stunden. Mit einer Gesamtzeit von 7:53:48 Stunden überquerte sie überglücklich die Ziellinie und deklassierte die Konkurrenz, welche erst rund 31 Minuten! später einlief. Auf dem Treppchen folgten die Britinnen Laura Siddell und Fenella Langridge. In den Top Ten platzierten sich weitere deutsche Starterinnen mit Elena Illedisch, Jenny Schulz und Maja Betz (Platz 8-10).

Ich bin überglücklich endlich hier in meiner Heimat gewonnen zu haben. Es war wirklich ein tolles Rennen hier in Roth. Der Zieleinlauf entschädigt einfach für alles. Wenn ich mir einen perfekten Tag hätte erträumen können, dann wäre er so wie heute gewesen.

Verfasst von Yvonne Glöde

Erschienen in Triathlon am 08. September 2021

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