Vom Extremhindernislauf zum Triathlon: Aline Barre startet in Frankfurt bei ihrem ersten Ironman

ExklusivErst seit wenigen Monaten im Triathlon dabei und schon ein ambitioniertes Ziel: Aline Barre (23) startet beim Frankfurter Ironman. Notwendige mentale Stärke und Durchhaltevermögen hat sie bereits durch ihre Erfahrungen im Extremhindernislauf und lange Radreisen aufgebaut.

3,8 Kilometer schwimmen im Langener Waldsee, 185 Kilometer Radfahren entlang der Frankfurter Skyline und im Anschluss noch ein Marathon: Beim Ironman in Frankfurt gehen tausende Athlet:innen an ihre körperlichen Grenzen. Wenn am Sonntagmorgen der Startschuss fällt, wird auch Aline Barre (23) unter ihnen sein. Vor gut vier Wochen hat sich die Magdeburgerin entschieden, in Frankfurt bei ihrem ersten Ironman zu starten. Und das, obwohl sie erst seit Novemeber letzten Jahres überhaupt mit dem Triathlon-Training angefangen hat. Vier Tage vor dem Start in Frankfurt sagt sie im Interview mit Sportfrauen: 

Ich habe definitiv Respekt davor und ein wenig Angst, am Anfang zu viel zu wollen. Ich muss das richtige Maß finden.

Die notwendige mentale Stärke hat die Masterstudentin bereits bei ihren Radreisen aufgebaut. Allein in diesem Jahr ist Aline an drei Tagen von Magdeburg nach Venedig gefahren. Und bei einer anderen Tour hat sie 520 Kilometer zurückgelegt, an einem Tag, in rund 18 Stunden. „Das hat mich gut auf die lange Belastung vorbereitet“, sagt Aline, die vor allem ihre Schwimmleistung in den vier Wochen seit ihrer Anmeldung stark verbessert hat. Statt einem Kilometer schwimmt sie jetzt die geforderten 3,8 ohne Probleme durch, pro 100 Meter ist sie dabei um 50 Sekunden schneller als noch vor einigen Wochen.

Leidenschaft für Extremhindernislauf

Aline kommt eigentlich vom Laufen, besser gesagt: vom Extremhindernislauf. Als sie vor rund fünf Jahren bei einem Dorflauf mit Hindernissen überraschend gewonnen hatte, war sie motiviert, sich bei größeren Läufe zu versuchen. Von Veranstaltungen wie dem Tough Mudder kam sie zum Spartan Race und qualifizierte sich schließlich für Europa- und Weltmeisterschaften. Mehrmals pro Woche ging Aline laufen, noch öfter trainierte sie im Fitnessstudio. „Ich habe mir in der Wohnung und im Fitnesstudio einige Hindernisse nachgebaut, um Aspekte wie Griffkraft und Kraftausdauer zu trainieren“, erzählt sie.

Training mit Hindernissen. Foto: privat

Denn Kraft ist, worauf es beim Hindernislauf letztlich ankommt. Das zeigte nicht zuletzt Alines erste Teilnahme an einer EM im Jahr 2018. „Die Hindernisse waren so extrem, dass nur drei Prozent aller Frauen alle geschafft haben. Auch ich bin ausgeschieden, mit meinen eingerissenen Händen konnte ich mich nicht mehr festhalten.“ Bei der WM im selben Jahr wurde Aline in ihrer Altersklasse dann 31. von 150 Starterinnen.

Teilnahme bei Ninja Warrior 2019

Im Jahr darauf war Aline sogar im Fernsehen zu sehen: bei Ninja Warrior. „So aufgeregt war ich noch vor keinem Wettkampf. Mit all den Kameras und dem Studio ist das eine ganze andere Situation“, erinnert sie sich. Mit Bouldern und in speziellen Ninja-Warrior-Hallen hat sie sich vorbereitet. Auch wenn sie es nicht über die Vorrunde geschafft hat, war es für die heute 23-Jährige ein tolles Erlebnis. „Es hat total Spaß gemacht und vielleicht nehme ich nochmal teil.“

Aline Barre bei Ninja Warrior 2019. Foto: TVNOW / Markus Hertrich

Nach einer Muskelverletzung in der Wade 2019 und zahlreichen Einheiten auf dem Rennrad hat Aline sich schließlich vor knapp einem Jahr sportlich umorientiert und dem Triathlon zugewandt. „Das Radfahren hat mir so großen Spaß gemacht, dass ich das gerne weitermachen wollte.“ Und nun steht Aline vor einem nächsten Höhepunkt: dem Ironman. Für Sonntag hat sie sich die Strecken und den See bereits angesehen und überlegt, wie sie die Energiezufuhr während des Wettbewerbs gewährleisten kann. „Ich werde versuchen, alle 20 Minuten ein Gel zu nehmen und hoffe, dass mein Magen das mitmacht. Im Training habe ich das in dieser extremen Form noch nie ausprobiert.“ Aber wenn Aline eines kann, dann durchkämpfen. Das hat die 23-Jährige schließlich schon mehrfach bewiesen – psychisch und physisch.

Erschienen in Triathlon am 13. August 2021

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