Per Crowdfunding zur Convention: Wie Lacrosse in Deutschland bekannter werden soll

ExklusivJule Neubauer (26) spielt seit rund zehn Jahren Lacrosse. Sie ist mehrfache Deutsche Meisterin, spielt in der Nationalmannschaft – und will helfen, ihren Sport noch bekannter zu machen. Dazu dienen soll die German Lacrosse Convention 2022, doch dafür muss der Verband erst genügend Geld per Crowdfunding einsammeln.

Sie gilt als die schnellste Mannschaftssportart zu Fuß und hat vor allem in Nordamerika eine jahrhundertealte Tradition: Lacrosse. Auch hierzulande gibt es zahlreiche Vereine, mehrere Bundesligen, Damen-, Herren- und Jugend-Nationalmannschaften sowie viele Events. Jule Neubauer spielt seit rund zehn Jahren und ist ein fester Bestandteil des deutschen Damen-Teams. Sie sagt: „Wir wollen unsere Events medial künftig noch stärker aufbereiten und so die Sichtbarkeit auf den Sport erhöhen. Im kommenden Jahr bieten sich dazu zahlreiche Gelegenheiten.“

German Lacrosse Convention 2022 in Dresden

Neben den Playoffs und der Deutschen Meisterschaft, die jedes Jahr in der Bundesliga stattfinden, wird ab Ende Juni 2022 in den USA die Weltmeisterschaft ausgetragen (29.06.-09.07.2022), für die Jule mit 21 weiteren Spielerinnen bereits nominiert ist. Zusätzlich plant der Deutsche Lacrosse Verband im Mai die German Lacrosse Convention in Dresden. „Wir wollen die Gelegenheit nutzen und zeigen, wie viel Potenzial in unserem Sport steckt.“ Neben Workshops sollen daher auch Spiele ausgetragen werden, zu denen verschiedene Nationen aus ganz Europa eingeladen sind.

Die deutsche Lacrosse-Nationalmannschaft der Frauen. Foto: Roland Irlenbusch / DLaxV e.V. 

Bei der Convention wird aber nicht das traditionelle Spiel gezeigt werden, bei dem sich jeweils zehn Gegner:innen auf dem Feld gegenüberstehen. Sondern Lacrosse Sixes, eine Variante, die voraussichtlich ab 2028 auch olympisch sein soll. Auch eine weitere Lacrosse-Disziplin steht auf dem Programm: Box Lacrosse der Herren. Diese Form wird in abgetauten Eishockeystadien gespielt und gilt in Kanada als Sommer-Nationalsportart. Doch die Convention muss der Deutsche Lacrosse Verband erst einmal finanzieren. „Deswegen haben wir eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen, um diese Mittel einzusammeln“, sagt Jule. Noch bis 15. Dezember 2021 läuft die Kampagne auf fairplaid, die 40.000 Euro einbringen soll. Klappt das nicht, wird die Convention nicht stattfinden können.

Jahresurlaub und Nebenjobs für die Weltmeisterschaft 

Weil Jule bei der Weltmeisterschaft im Sommer aufläuft, wird sie bei der Convention nicht auf dem Feld stehen. „Um Verletzungen und Belastung zu minimieren, soll es keine Doppelbelastung geben. Daher hatten wir ein gemeinsames Try-Out, bei dem die beiden vorläufigen Kader festgelegt worden sind“, erzählt Jule. Für die WM nutzt die 26-jährige VWL-Studentin ihren Jahresurlaub und ihr Erspartes, die Teilnahme finanziert sie sich mit Nebenjobs.

Im internationalen Vergleich stehen die deutschen Frauen im Mittelfeld. Bei der WM 2017 wurden Jule und ihr Team 14. von rund 30 Nationen. 2022 soll es möglichst eine Platzierung unter den Top 10 werden. Die größte Konkurrenz im Lacrosse: die WM-Gastgeberinnen USA, außerdem Kanada, Australien und England, aber auch Israel, Neuseeland und Japan legen immer stärker nach.

Am besten gefällt mir, dass der Sport so vielseitig ist.

Dass gerade die USA im Lacrosse so gut sind, verwundert nicht. Schließlich kommt der Sport von den nordamerikanischen Ureinwohnern. Auch Jule hat ihre Leidenschaft für Lacrosse bei einem Highschool-Jahr in den Vereinigten Staaten entdeckt. „Am besten gefällt mir, dass der Sport so vielseitig ist. Er ist schnell, aber auch Ausdauer ist gefragt, hinzukommen außerdem eine taktische Komponente und das Zusammenspiel im Team.“ Einen dominanten Spielertypen, sagt Jule, gebe es beim Lacrosse nicht. Jede bringe ihre eigenen Stärken und Vorteile ins Spiel ein.

Lacrosse: Weniger körperlich bei den Frauen

Gespielt wird bei den Damen verpflichtend mit einem Mundschutz und die meisten Spielerinnen tragen eine Gitterbrille. Im Vergleich zu den Männern, die mit voller Ausrüstung spielen und sich auch checken dürfen. „Bei uns Frauen hat sich Lacrosse eher von der englischen Variante her entwickelt, die nicht so körperlich ist, da der Sport dort vor allem an Schulen gespielt wurde“, erklärt Jule. Mit einem Schläger, auch „Stick“ genannt“, muss ein Hartgummiball ins Tor befördert werden. Der Ball wird dabei jedoch nicht wie beim Hockey am Boden transportiert, sondern in einer Netztasche, der „Pocket“.

In der "Pocket" wird der Ball zum Tor transportiert. Foto: Roland Irlenbusch / DLaxV e.V. 

In Deutschland gibt es vier erste Bundesligen, die regional aufgeteilt sind. Die ersten beiden Teams jeder Liga spielen am Ende der Saison ein Playoffs-Turnier, die besten vier Mannschaften schließlich um die deutsche Meisterschaft. Jule hat mit dem DHC Hannover, bei dem sie von 2012 bis 2019 gespielt hat, mehrmals den Titel geholt. Vor zwei Jahren wechselte sie aufgrund ihres Studiums zum BSC Victoria Berlin. „In dieser Saison wollen wir uns für die Playoffs qualifizieren und dann natürlich auch um die Deutsche Meisterschaft spielen“, sagt sie über die Ziele mit ihrer Mannschaft.

Um auch den Nachwuchs besser aufbauen zu können, soll es neben der 1. und 2. Bundesliga in Zukunft möglichst auch mehrere Landesligen geben. „Da fehlen uns aktuell aber noch die Teams, um hier einen Ligabetrieb zu organisieren“, sagt Jule. Mit Events wie der German Lacrosse Convention soll das Interesse und die Bereitschaft bei den Vereinen, eigene Mannschaften zu gründen, größer werden.


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Erschienen in Sportarten am 17. November 2021

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