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Paralympics aktuell Tag 7: Medaillenregen in Tokio

2x Gold, 1x Silber und 2x Bronze - so lautet die Ausbeute der deutschen Sportlerinnen in Tokio an Tag 7. Daneben gab es reichlich starke Finalplatzierungen.

Radsport: Gold für Zeyen & Majunke, Bronze für Dreock-Käser & Brachtendorf

Annika Zeyen ist keine Unbekannte in den Geschichtsbüchern der Paralympischen Spiele. Bisher kann sie auf vier erfolgreiche Teilnahmen zurückblicken, allerdings nicht im Radsport. Mit dem Rollstuhlbasketball Team gewann sie bei fast allen Spielen der letzten Jahre eine Gold- oder Silbermedaille, außer in Athen 2004, wo sich das Team Platz vier erspielte. Doch dann entschied sich Zeyen, queerschnittsgelähmt nach einem Reitunfall vor 22 Jahren, für einen bewussten Wechsel zur Leichtathletik im Jahr 2019. Sie wollte diesmal als Einzelkämpferin Erfolge erzielen, nach all den Jahren des Teamsports. Der Wechsel war nicht ohne. Der Rennrollstuhl verursachte Verletzungsprobleme. Doch Zeyen gab nicht auf, wechselte auf das Handbike und die Geschichte nahm jetzt in Tokio ihren Lauf auf dem Fuji International Speedway. Über die 16km gewann sie nach einer starken Aufholjagd in der letzten Runde die Goldmedaille.

Unglaublich, ich kann das noch gar nicht fassen.  Ich wusste zwischendurch, dass ich hinter der Amerikanerin und hinter der Italienerin deutlich zurücklag und hätte nicht gedacht, dass ich das in der letzten Runde noch aufholen kann. Deshalb ist es nochmal schöner.

Die Cottbuserin Jana Majunke pfeilte ebenfalls an ihren Einträgen in den Paralympics Analen. Seit 12 Jahren ist die 31-jährige bei Weltmeisterschaften immer ein Garant für einen Platz auf dem Treppchen. In Rio 2016 gewann sie mit ihrem Dreirad Bronze und jetzt war sie in Tokio unschlagbar. Mit Hilfe ihrer Teamkollegin  Angelika Dreock-Käser machte sie vor dem Rennen noch eine entscheidene technische Änderung und passte die Übersetzung am Rad dem bergigen Profil der Strecke an. Und genau an dieser 12% Steigung entschied sie das Rennen für sich!

Jana Majunke strahlte mit ihrer Teamkollegin  Angelika Dreock-Käser um die Wette nach ihren Medaillienerfolgen. @Joachim Sielski/ DBS

Am Anstieg habe ich meine Konkurrentinnen überholt und vor allem dadurch am Ende gewonnen.

Paralympics-Debütantin Angelika Dreock-Käser hatte es nicht leicht in den letzten Wochen. Doch mit einer starken Leistung erkämpfte sie sich die Bronzemedaillie.

Vor vier Wochen ist mein Mann gestorben, aber er hat es so sehr gewollt, dass ich hier Erfolg habe. Deshalb widme ich ihm diese Bronzemedaille.

Kerstin Brachtendorf  machte den Dreifach-Erfolg für "Team Cottbus" perfekt. Nur wenige nach einer ungeplanten Operation schaffte die 50-jährige bei ihrn dritten Paralympics endlich den ersehnten Sprung aufs Treppchen. 


@Oliver Kremer/DBS

Ich hab mir gar nichts mehr ausgerechnet, weil ich erst vor drei Wochen einen Verschluss der inneren Beckenarterie operieren lassen musste. Als ich die ersten Meter gefahren bin, habe ich eigentlich schon geheult, weil ich einfach glücklich war, dass ich hier bin. Die Medaille ist jetzt einfach die Krönung.

Andrea Eskau belegte den fünften Platz über die 24km.  "Ich konnte nicht umsetzen, was ich mir vorgenommen habe. Ich bin eine Runde nach Plan gefahren, aber mir fehlte vollkommen die Orientierung, wo im Feld ich mich befinde“ 

Denise Schindler erwischte keinen guten Tag über die 16km Strecke und belegte nur Platz zwölf.  „Von Anfang an habe ich gemerkt, dass die Wattwerte nicht stimmen und ich keine guten Beine habe. Ich bin hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben, so gesehen, war es für mich ein rabenschwarzer Tag, den ich abhake.“ 


Leichtathletik: Silber für Sprinterin Irmgard Bensusan

Die gebürtige Südafrikanerin Irmgard Bensusan wiederholte ihren Silbertriumph von Rio in einem stark umkämpften Finale über 200m. Die 30-jährige erreichte nach 26,58 Sekunden das Ziel in einem packenden Finish. Ihre Teamkollegin Maria Tietze belegte im gleichen Rennen Platz sieben.


Maria Tietze und Irmgard Bensusan im 200m Finale.@Binh Truong/DBS

Merle Menje verpasste in ihrem Rennen über 1500m ganz knapp eine Medaille. Wieder einmal hielt sie mit der Weltelite mit. Leider konnte sie auf den letzten Metern vor dem Ziel das Tempo nicht mehr erhöhen und kam auf Platz vier. Am Donnerstag greift sie zum letzten Mal ins Geschehen ein - vielleicht klappt es über 800m mit einer Medaille?

Einen vierten Platz zum Karrierende gab es für Kugelstoßerin Marie Brämer-Skowronek. 

Mit der Platzierung kann ich sehr zufrieden sein, bei der Weite hätte ich mir mehr gewünscht. Ich nehme sehr viel mit, ich habe mit Speerwurf und Kugelstoßen viele Disziplinen gemacht - aber ich freue mich jetzt darauf, was danach kommt. 

Die 30-jährige Erzieherin feierte 2012 bei den Paralympics in London mit Silber im Speerwurf ihren größten Erfolg, 2018 bei der Heim-EM in Berlin wurde sie ebenfalls Zweite und Bronze durfte sie bei der EM 2012 und der WM 2013 mit dem Speer sowie bei der diesjährigen EM entgegennehmen.

Für Martina Willing hat es diesmal nicht für Edelmetall gereicht. Die blinde Speerwerferin, welche ihre achten! Paralympics bestritt ist nach ihrem fünften Platz mit 19,78 Metern nicht enttäuscht, sondern peilt Paris in 3 Jahren an.

Ich hatte ein paar Probleme, aber ich hätte auch sonst nicht in den Kampf um die Medaillen eingreifen können. Ich habe gesagt, dass hier Gold mit Weltrekord weggeht und so war es. Das sind alles junge Leute und da ist das normal, dass die jetzt weiter werfen als ich.

Janne Engeleiter verpasste über 100m leider den Einzug ins Finale nur hauchdünn.  "Das ist bitter, an sich bin ich aber happy mit dem Lauf. Ich war acht Wochen raus, ich war verletzt und ich hatte eine miserable Leistung in meinen Augen und keine Norm, bevor ich hier her gekommen bin. Jetzt bin ich die Norm gelaufen und ich stehe in der Welt ganz gut mit dabei. Ich kann mir nichts vorwerfen.“ 

Verfasst von Yvonne Glöde

Erschienen in Radsport, Tokio 2021 am 01. September 2021

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