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Radsport

Auf dem Weg nach Tokio: Radprofi Emma Hinze hofft sehnsüchtig auf Olympia-Start

SID
SID

Emanuel Reinke

17. Februar 2021

SerieEmma Hinze wurde mit drei Goldmedaillen zum Star der Bahnrad-WM in Berlin, der Weg auf das Olympia-Podest schien vorgezeichnet. Knapp ein Jahr später hofft die Sprinterin auf eine zweite Chance in Tokio. In einer Serie mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) begleiten wir Deutschlands Sportlerinnen auf dem Weg nach Tokio.

Die größten Tage in Emma Hinzes noch junger Bahnrad-Karriere sind verewigt in drei weißen Trikots mit Regenbogenstreifen. Magische Nächte erlebte die 23-Jährige bei der WM im Februar 2020, auf den Spuren von Kristina Vogel raste sie im Berliner Velodrom zu Dreifach-Gold. Gelegenheiten, die Erinnerungen aufleben zu lassen oder gar neue Erfolgsgeschichten zu schreiben, gab es seither nicht. Die Coronapandemie raubte Hinze die Chance auf olympische Medaillen - und jeglichen Einsatz im begehrten WM-Jersey. "Ich habe das Trikot leider kein einziges Mal fahren können, da ich keine Wettkämpfe hatte", sagte Hinze: "Ich hoffe, dass ich es in diesem Jahr noch einmal tragen kann."

Ausgebremst von Verletzungen

Hinze war im hart umkämpften Sprintbereich der Frauen gesetzt. Edelmetall in Tokio schien der formstarken Cottbuserin sicher - ob im Sprint, Keirin oder Teamsprint. Stattdessen begann eine Zeit des Wartens. Eine hartnäckige Verletzung des rechten Knies bremste sie zusätzlich aus.

Ein Rückhalt in der wettkampffreien Zeit war für die Sportsoldatin des Jahres die Bundeswehr als sicherer Arbeitgeber. Mit den Erfolgen auf der Bahn kamen zwar neue Sponsoren, "aber es ist nicht so, dass ich mich zurücklegen kann", sagte Hinze. Die Bundeswehr sei deshalb "sehr wichtig, da ich dadurch auch eine gewisse Sicherheit habe", sagte sie dem SID.

Provisorischer Wettkampfplan steht

Für ihre Sponsoren, letztlich aber für sich selbst würde sich Hinze lieber heute als morgen wieder in den Wettkampf stürzen. Dort blüht sie auf, dort ist sie am stärksten. Noch ist vieles ungewiss, zumindest ein provisorischer Wettkampfplan steht jedoch. Im britischen Newport soll Ende April ein Nations Cup stattfinden. "Ob das alles so umgesetzt wird, weiß ich aber nicht", sagte Hinze. Nahezu ausgeschlossen ist die Teilnahme an den darauffolgenden Rennen der Serie in Hongkong (Mai) und Cali/Kolumbien (Juni). "Wir versuchen, nicht die Länder anzupeilen, die weit weg liegen", sagte Hinze. Und Japan im Juli? Die Olympischen Spiele bleiben Hinzes großes Ziel. Die Möglichkeit einer erneuten Absage bereitet ihr Sorgen. Vereinnahmen lassen will sie sich von diesen Gedanken aber nicht.

"Man stellt sich als Sportler zu 100 Prozent darauf ein. Wenn ich nochmal drei weitere Jahre warten müsste, wäre das schon sehr schwer."

Lieber ohne Zuschauer als gar nicht

Auch olympische Wettkämpfe ohne Zuschauer kann sich Hinze notfalls vorstellen. "Es fehlt auf jeden Fall etwas, wenn man bei Olympia im Stadion ist und sich ohne Zuschauer wie im Training fühlt. Aber damit werde ich klarkommen. Es wäre mir lieber, als dass es komplett ausfällt", sagte sie.

Kurzfristig stehen andere Dinge im Fokus. Mental sei sie gut durch die Pandemie gekommen, so Hinze. Die Sehnsucht nach einem Ende des Lockdowns ist dennoch auch bei ihr groß. "Freunde besuchen", will Hinze, sobald es die Corona-Maßnahmen erlauben, "und meine Oma wiedersehen, das ist gerade auch sehr schwierig". Außerdem auf dem Plan: "Außerhalb essen oder Kaffee trinken." Vielleicht ja dann im Regenbogentrikot.


Serie "Auf dem Weg nach Tokio"

Gemeinsam mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) realisieren wir derzeit eine Serie über Spitzensportlerinnen auf dem Weg nach Tokio. Neben Text und Video produziert meinsportpodcast.de dazu auch eine Podcast-Reihe, die unter dem Namen „Sportfrauen auf dem Weg nach Tokio“ auf der Plattform zu finden ist.

Erschienen in Radsport am 17. Februar 2021

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