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Olympia-Qualifikation beendet: Diese Schwimmerinnen könnten mit nach Tokio

Bei der Olympia-Qualifikation in Berlin konnten noch einige Schwimmerinnen die Normen für Tokio 2021 knacken. Insgesamt 13 Starterinnen könnten bei den Olympischen Spielen dabei sein.

Tag 1: Isabel Gose und Annika Bruhn im Doppelpack

Bei den Frauen gab es über 200m Freistil Olympiatickets im Doppelpack. Isabel Gose (SC Magdeburg), über 400m Freistil und 800m Freistil bereits mit der Norm ausgestattet, lieferte in 1:56,93 Minuten eine absolute Weltklassezeit ab – in der Weltjahresbestenliste sortiert sie sich damit auf Rang sechs ein. „Wenn man so etwas hört, springt natürlich das Herz. Ich muss das jetzt erstmal alles sacken lassen“, sagte sie und strahlte dabei über das ganze Gesicht. Sie verbesserte damit auch den deutschen Altersklassenrekord für 19-Jährige, den bislang eine gewisse Franziska van Almsick gehalten hatte (1:58,14).

Hinter Gose knackte auch Annika Bruhn (Neckarsulmer Sport-Union) in 1:57,17 die Tokio-Norm – sie unterbot den Richtwert von 1:57,20 somit um drei Hundertstel. „Als ich angeschlagen habe, habe ich mich richtig gefreut, dass ich die Norm doch noch geknackt habe. Es hat sich gar nicht so schnell angefühlt, deswegen war ich doch überrascht über die Zeit. Aber jetzt bin ich so froh.“ Leonie Kullmann (SG Neukölln) mit 1:57,64 und Marie Pietruschka (SSG Leipzig) mit 1:58,46 komplettierten ein starkes Mannschaftsergebnis. „Ich freue mich total, dass wir jetzt so schnelle Mädels haben“, meinte Bruhn. „Das wird eine richtig gute Staffel werden.“

Bei den 100m Brust der Frauen schwamm Anna Elendt (SG Frankfurt) in 1:07,17 Minuten zu einer neuen Bestzeit. Für die Einzelnorm war diese Zeit zwar 17 Hundertstel zu langsam, allerdings hätte man dafür schon deutschen Rekord schwimmen müssen. Als schnellste Brustschwimmerin hat sie sich so aber trotzdem ihren Platz in der Lagenstaffel für die Sommerspiele gesichert.

Weltklassezeit von Sarah Köhler

Für Tokio ist Sarah Köhler (SG Frankfurt) als Vizeweltmeisterin längst qualifiziert. Dennoch nutzte sie den Wettkampf in Berlin, um über 1500m Freistil ein deutliches Ausrufezeichen an die internationale Konkurrenz zu senden. Die 26-Jährige schwamm in 15:52,20 Minuten in einer anderen Liga, erst einmal war sie in ihrer Karriere flotter. „So schnell war ich zu diesem Saisonzeitpunkt noch nie. Das Ergebnis stimmt optimistisch für die weitere Olympiavorbereitung“, sagte sie. In der Weltjahresbestenliste liegt sie damit momentan auf Platz zwei.

Laura Riedemann kratzt am deutschen Rekord

Bei den Frauen fehlten Lisa Höpink (SG Essen) über 100 Meter Schmetterling trotz Bestzeit von 58,07 nur 17 Hundertstel zur Norm, sie ist damit bislang die schnellste Schmetterlingsfrau. Bei den Frauen lag auf 100 Meter Rücken Laura Riedemann (SV Halle/Saale) deutlich vorne, die lange Zeit sogar auf Kurs für einen neuen deutschen Rekord war. Letztlich schlug sie nach 59,85 an und blieb damit nur acht Hundertstel über der nationalen Bestmarke von Daniela Samulski (59,77). Riedemann selbst war erst einmal, im WM-Halbfinale 2019 in Gwangju (KOR), um drei Hundertstel geringfügig schneller. Für die Spiele in Tokio ist sie bereits fest qualifiziert.

Tag 2: Zweite Norm für Köhler und Bruhn

Bei den Frauen feierte Bundestrainer Bernd Berkhahns Trainingsgruppe über 400m Freistil einen Doppelsieg. Isabel Gose siegte hier in 4:05,19 Minuten und konnte damit ihre Bestleistung aus der Vorwoche und den von ihr selbst gehaltenen Altersklassenrekord für 19-Jährige noch einmal um fast eine Sekunde verbessern. Und Langstreckenspezialistin Sarah Köhler (SC Magdeburg) erfüllte als Zweite (4:05,99) ebenfalls eine weitere Olympianorm neben den 800m und 1500m, unter drei Einzelstarts bei Olympia machen sie es bei Berkhahn also nicht mehr. „Ich bin schon stolz, dass unsere Gruppe so groß im Team vertreten ist“, meinte Köhler.

Auch Leonie Kullmann (SG Neukölln) hat bereits die Norm erfüllt und konnte diese erneut bestätigen mit 4:06,25, sie muss nun allerdings abwarten, wie sich die vielfach qualifizierten Köhler und Gose entscheiden, ob es mit dem Einzelstart wirklich klappt, in der Staffel ist sie aber in Tokio auf jeden Fall dabei.

Annika Bruhn (Neckarsulmer Sport-Union) war nach der erfüllten Norm über 200m Freistil offenbar ein Stein vom Herzen gefallen, beflügelt sicherte sie sich am Tag darauf über die halbe Distanz in neuer Bestzeit von 53,96 Sekunden ihren zweitem Einzelstart in Tokio. „Wenn es läuft, dann läuft’s! Es hat sich richtig gut angefühlt. Auf den letzten zwei Bahnen habe ich nochmal Vollgas gegeben und alles rausgeholt“, sagte die strahlende Siegerin. In ihrem Sog steigerten sich auch die anderen DSV-Sprinterinnen im Kampf um die Staffelplätze, zunächst im A-Finale Lisa Höpink (SG Essen) 54,65, Marie Pietruschka (SSG Leipzig) 54,73 und Isabel Gose (SC Magdeburg), womit sich letztere kurzzeitig auf Rang vier des Staffelrankings vorschob, unmittelbar danach schlug im B-Finale aber Hannah Küchler (AMTV-FTV Hamburg) mit neuem Jahrgangsrekord für 19-Jährige von 54,88 zurück.

Tag 3: Knapp am Olympiaticket vorbei

Wie es im Sport nun einmal so ist, erfüllten sich in Berlin aber nicht alle Träume. Über 200m Lagen fehlten Kathrin Demler (SG Essen/ 2:12,12 Minuten) nur 22 Hundertstel zu einem Olympiaticket. So schnell war Zoe Vogelmann(SV Nikar Heidelberg) vor zwei Wochen in Heidelberg auch gewesen, diesmal wurde die 17-Jährige Zweite in 2:13,28. Auf ihren ersten Olympiastart noch etwas länger warten muss auch Kim Herkle. Die 18-Jährige vom SV Cannstatt verbesserte ihren Altersklassenrekord über 200m Brust auf 2:25,40 Minuten, nur eine halbe Sekunde fehlte so zur Tokio-Norm. „Zum einen bin ich natürlich glücklich, eine solche Zeit geschwommen zu sein. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich da nochmal steigern kann. Zum anderen ist man natürlich traurig, weil es so knapp war, nur eine halbe Sekunde hat am Ende zur Norm gefehlt. Aber wir haben von Anfang an gesagt, dass wir die Olympischen Spiele 2024 anpeilen. Wenn es jetzt geklappt hätte, wäre das nochmal ein Sahnehäubchen gewesen, aber das Ziel ist 2024. Ich werde jetzt auf jeden Fall die EM schwimmen, und die Deutschen Meisterschaften kommen ja auch noch. Und ich habe eigentlich auch so genug zu tun, denn ich schreibe gerade noch Abitur.“ Auch Bente Fischer(Neckarsulmer Sport-Union) zeigte in Berlin ein couragiertes Rennen und blieb bis zuletzt an Herkle dran, mit 2:25,90 verbessere sie ihre persönliche Bestleistung deutlich.

Die kürzesten Olympia-Strecken werden in Tokio dagegen leider ohne deutsche Beteiligung stattfinden. Über 50m Freistil siegte Hannah Küchler (AMTV-FTV Hamburg) in 25,26 Sekunden und blieb so nur zwei Hundertstel über dem Altersklassenrekord von Daniela Götz. Die Norm lag allerdings bei 24,75. Bei den Männern siegte Artem Selin (Nübad-Flipper) in 22,47 Sekunden, der Abstand zur Tokio-Norm (21,95) war also ähnlich groß.

„Mit diesem Auftritt unserer Olympiakandidat:innen wächst der Optimismus. Wir haben in der Spitze absolute Topleistungen gesehen, aber auch in der Breite ein Schritt nach vorn. Wir sind auf dem richtigen Weg“, lautete der Fazit von Bundestrainer Hannes Vitense. Sein Bundestrainer-Kollege Bernd Berkhahn ergänzte: „Wir sind allen Beteiligten vom Kampfgericht bis zur Organisation sehr dankbar dafür, dass uns dieser wichtige Wettkampf in dieser schwierigen Zeit ermöglicht wurde, um uns auf Tokio vorbereiten zu können.“

Diese Schwimmerinnen haben die Norm erfüllt

  • Annika Bruhn (100/200m Freistil, 4x100m Freistil/Lagen/Lagen mixed, 4x200m Freistil)
  • Isabel Gose (200/400*/800m Freistil, 4x200m Freistil)
  • Leonie Kullmann (4x200m Freistil / eventuell 400m Freistil*)
  • Sarah Köhler (800/1500m Freistil / eventuell 400m Freistil*)
  • Celine Rieder (1500m Freistil)
  • Laura Riedemann (100m Rücken / 4x100m Lagen / 4x100m Lagen mixed)
  • Franziska Hentke (200m Schmetterling)
  • Anna Elendt (4x100m Lagen)
  • Lisa Höpink (4x100m Freistil, 4x100m Lagen)
  • Marie Pietruschka (4x100/200m Freistil)
  • Hannah Küchler (4x100m Freistil)
  • Leonie Beck (10km)
  • Finnia Wunram (10km)
Verfasst von DSV

Erschienen in Schwimmen am 19. April 2021

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