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Frauenfußball beim BVB: Mit dem ,Dortmunder Weg' an die Spitze

ExklusivAb Juli 2021 wird Frauenfußball beim BVB gespielt. Sportfrauen hat mit der Leiterin der neuen Frauen- und Mädchenabteilung, Svenja Schlenker, gesprochen und sie gefragt, wie es zur Gründung des BVB-Frauenteams kam, wieso man ganz unten in der Kreisliga einsteigt und wie es um die Trainersuche steht.

Im Oktober 2020 verkündete Borussia Dortmund etwas, was schon lange von Fans, Spielerinnen und Funktionär*innen gefordert wurde: die Gründung einer Frauen- und Mädchenabteilung zum Juli 2021. Damit können erstmals in der Geschichte des BVB auch Frauen in Schwarz-Gelb Fußball spielen. Svenja Schlenker, die seit fast 14 Jahren im Verein ist und bisher den Bereich „Social- und Live-Marketing“ verantwortete, wird die neue Abteilung leiten. Zeit, sich mit ihr über die neuesten Entwicklungen zu unterhalten.

Frau Schlenker, sind Sie auch selbst richtiger BVB-Fan?

Schlenker: Ja, schon sehr, sehr lange. Das hat angefangen, als ich etwa zehn oder elf Jahre alt war. Damals, in den verrückten 1990er-Jahren, stand ja Borussia Dortmund mit seinen vielen Erfolgen besonders im Fokus. Und so bin ich auch Fan geworden.

Sie haben selbst lange Amateur-Fußball gespielt und erst vor drei Jahren Ihre Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Liegt es Ihnen deshalb besonders am Herzen, den Frauenfußball beim BVB etablieren zu dürfen?

Schlenker: Definitiv. Ich habe bereits 2007, als ich beim BVB anfing, gefragt, warum es denn kein Frauenteam hier gibt. Aber Borussia Dortmund war einfach noch nicht so weit, sich dem Frauenfußball zu widmen. Doch jetzt hat es ja endlich geklappt. Ich freue mich riesig darüber, den Frauen- und Mädchenfußball hier komplett von Null auf Hundert aufbauen zu können.

Wie kam es denn nun dazu?

Schlenker:Tatsächlich dachten wir schon viele Jahre über Frauenfußball beim BVB nach. Unsere Fußball-Akademie bot zwar Kurse für Jungs und Mädchen an, aber es bestand für Mädchen und Frauen nie die Möglichkeit, in Schwarz-Gelb zu spielen. Das wollten wir ändern. Hinzu kam, dass auch aus der Fanszene, zum Beispiel bei der Mitgliederversammlung 2019, immer wieder der Wunsch nach Frauenfußball beim BVB aufkam. Da haben wir gemerkt, dass ernsthaftes Interesse besteht und sind das Thema relativ schnell angegangen.

Wir haben Bock auf das Thema und werden bestimmt eine tolle Abteilung aufbauen.

Warum hat es dennoch so lange gedauert? Die Forderungen nach Frauenfußball beim BVB wurden ja schon vor einiger Zeit laut, zum Beispiel durch Nationalspielerin Alex Popp oder den DFB-Präsidenten Fritz Keller.

Schlenker:Wir haben uns lange auf den Männerbereich und andere Sportarten fokussiert. So spielen unsere Handballfrauen zum Beispiel sehr erfolgreich in der ersten Bundesliga. Die Forderungen von außen haben uns zwar beeinflusst, aber letztlich kam die Entscheidung, den Frauenfußball anzugehen, von innen. Jetzt nehmen wir uns die Zeit und sind froh, dass wir uns nun für den Frauenfußball entschieden haben. Denn wir haben Bock auf das Thema und werden bestimmt eine tolle Abteilung aufbauen.

Das Frauenteam wird zunächst in der Kreisliga B antreten. Sie hätten aber auch die Lizenz eines anderen Teams kaufen oder eine Kooperation mit einem höherklassigen Verein eingehen können, um damit höher einzusteigen.

Schlenker: Wir haben uns im Vorfeld sehr viele Gedanken gemacht. Dabei hatten wir verschiedene Szenarien im Kopf, die in Frage gekommen wären. Letztlich wollten wir das aber nicht alleine entscheiden. Deshalb haben wir eine große Umfrage an unsere Mitglieder gestartet, in der alle Möglichkeiten aufgeführt wurden. Herausgekommen ist, was wir uns auch erhofft hatten, nämlich dass wir unseren eigenen „Dortmunder Weg“ gehen und unten starten wollen. Wir sind in gewisser Hinsicht ja ein Arbeiterverein, deshalb schaffen wir es, in der Kreisliga anzufangen und irgendwann bestimmt auch hochklassigen Fußball zu spielen. So können wir den Frauenfußball langfristiger und professioneller aufbauen. Wenn, dann richtig und auch nicht nur, weil es von außen verlangt wird.

Die sportlichen Ziele sind sicher hoch.

Schlenker: Das auf jeden Fall. Wir sind ein sehr ambitionierter Sportverein, das wird auch im Frauen- und Mädchenbereich nicht anders sein. Dennoch haben wir bewusst keinen Zeitraum festgelegt, innerhalb dessen wir die Bundesliga erreichen wollen. Natürlich wollen wir es schnellstmöglich schaffen, aber es kann durchaus passieren, dass wir die eine oder andere Ehrenrunde drehen müssen. Das liegt ja auch nicht nur in unserer Hand. Die Ligen werden immer stärker und andere Mannschaften sind auch gut aufgestellt.

Wie reagieren andere Dortmunder Frauenfußball-Vereine auf die Entwicklungen?

Schlenker: Wir wollen den Frauen- und Mädchenfußball in Dortmund sowie der Region stärken. Als wir die Umfrage letztes Jahr machten, haben wir auch die Dortmunder Vereine nach ihrer Meinung gefragt. Ein Großteil der Vereine findet es toll, dass wir das nun angehen und steht dem Thema offen gegenüber. Die einzigen Ängste waren die, dass wir eventuell bis zu sieben gute Spielerinnen aus einem Team zu uns holen würden. Aber das ist etwas, was wir natürlich überhaupt nicht vorhaben. Um das zu verhindern, werden wir mit den anderen Dortmunder Vereinen Regeln aufstellen. Anstatt also andere Mannschaften kaputt zu machen, wollen wir den Dortmunder Frauenfußball mit unserer Strahlkraft unterstützen, so dass mehr Mädchen mit dem Fußballspielen anfangen. Außerdem starten wir ja in der Kreisliga - und genauso werden wir uns auch verhalten. Wir werden keine Spielergehälter oder ähnliches zahlen. In den ersten Jahren wird sich die Frauen- und Mädchenabteilung komplett selbst tragen.

Die Abteilung soll zum 1. Juli 2021 gegründet werden. Gibt es schon Neuigkeiten bei der Trainersuche?

Schlenker: Nachdem die ersten Initiativ-Bewerbungen bereits im September oder Oktober des letzten Jahres bei uns eintrafen, kurz nach der Verkündung zur Gründung eines BVB-Frauenteams, haben wir im Januar digitale Bewerbungsgespräche geführt und konnten nun Thomas Sulewski als Trainer verpflichten. Bei ihm hat uns nicht nur seine Bewerbung überzeugt, sondern vor allem auch sein Auftreten und seine Vorstellung vom Frauenfußball in Schwarzgelb. Thomas Sulewski ist ein Dortmunder Junge, Borusse durch und durch und hat zudem bereits einige Erfahrung als Trainer im Frauenfußball sammeln können. Wir finden, er passt am besten zu unserem „Dortmunder Weg“ des Frauenfußballs.

Thomas Sulewski ist ein Dortmunder Junge, Borusse durch und durch und hat zudem bereits einige Erfahrung als Trainer im Frauenfußball sammeln können. Wir finden, er passt am besten zu unserem „Dortmunder Weg“ des Frauenfußballs.

Außerdem sind die ehemalige Nationalspielerin Annike Krahn sowie der früherer BVB-Spieler Christian Timm beratend tätig. Was erwarten Sie sich von den beiden?

Schlenker: Wir stehen bereits seit letztem Jahr im Austausch und beide waren auch an der Trainersuche beteiligt. Annike Krahn und Christian Timm haben jahrelange, teils unterschiedliche Erfahrungen im Fußball gemacht. Nicht nur, dass sie selbst aktiv und erfolgreich vor den Ball getreten haben, sie beschäftigen sich auch neben dem Platz viel mit dem Frauenfußball. Das große Netzwerk der beiden wird uns bestimmt oftmals nützlich sein. Besonderen Fokus lege ich jedoch auf ihre Unterstützung beim Aufbau einer ambitionierten Mannschaft und langfristig bei der Konzeption einer Nachwuchsabteilung.

Svenja_Thomas.jpg Svenja Schlenker und Thomas Sulewski. Foto: BVB

Fanden denn schon erste Sichtungstrainings statt?

Schlenker: Die hätte ich persönlich schon unfassbar gerne durchgeführt. Aber die Corona-Pandemie macht uns einen Strich durch die Rechnung. Daher muss ich leider noch alle Spielerinnen und Fans, aber auch mich, um ein bisschen Geduld bitten. Aber ich hoffe, dass wir schnellstmöglich ein Team zusammenstellen, trainieren und Freundschaftsspiele veranstalten können.

Und wo werden die BVB-Frauen spielen?

Schlenker: Die Rote Erde ist auf lange Sicht unsere Wunsch-Heimspielstätte. Erstmal werden die BVB-Frauen aber auf dem alten Trainingsgelände der BVB-Profis in der Fußball-Akademie spielen, im Schatten des Signal Iduna Parks. Dort finden die Spielerinnen hochwertige Bedingungen, genug Platz und eine super Infrastruktur vor. Denn diese wollen wir natürlich auch dem Frauenfußball bieten.

Oft begegnen sich die Frauen- und Männerteams innerhalb eines Vereins nicht auf Augenhöhe. Wie wird das beim BVB aussehen?

Schlenker: Natürlich haben wir uns schon viele Gedanken über die Kommunikation gemacht. Wir werden nicht nur einen eigenen Instagram Kanal eröffnen, sondern auch genauso prominent auf unserer Homepage und den offiziellen BVB-Kanälen der Männer über die BVB-Frauen berichten. Ich glaube, da sind wir sehr gut aufgestellt. Was die Fans angeht: Durch die Umfrage haben wir gemerkt, dass viele Fans – Frauen, Männer, Kinder, jung, alt – Lust darauf haben, die Spiele zu besuchen. Und auch, wenn der Kontrast zwischen Bundesliga und Kreisliga natürlich sehr hoch ist, machen solche Spiele doch Bock. Ich freue mich zumindest schon darauf, mir sonntags mit einer Bratwurst so ein schönes Kreisligaspiel anzuschauen. Und bin auch schon ganz aufgeregt, wenn ich an das erste Spiel denke.

Kam Ihnen zumindest mal kurz der Gedanke an ein fußballerisches Comeback?

Schlenker:Natürlich habe ich da mal kurz drüber nachgedacht, weil es ja immer mein Traum war, in Schwarz-Gelb aufzulaufen. Ich weiß aber auch, dass Kunstrasen für die Gelenke und Knochen in meinem Alter nicht mehr ganz so verträglich ist. Deshalb werde ich das meinem Körper nicht antun (lacht). Aber das ist auch okay so. Ich fiebere lieber vom Spielfeldrand mit.

Katarina Schubert

Katarina Schubert

Erschienen in Frauen und Führung im Sport, Fußball am 08. März 2021

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