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Wenig Wertschätzung, dafür viele Hindernisse für Eishockey-Bundesliga – Ein Kommentar

MeinungUnsere Reporterin Nina Probst war am Wochenende zu Gast in Mannheim beim Spiel der Mad Dogs gegen den ERC Ingolstadt. Im Kommentar beschreibt sie, wie sie das hochklassige Spiel erlebt hat und blickt dabei über die Bande hinaus.

Es ist Samstagabend. Die SAP Arena in Mannheim ist kaum beleuchtet, der Parkplatz fast leer. Am Eingang C, wo sich auch der Ticketshop befindet, gehen eine Handvoll Menschen aus und ein, während draußen ein paar Sportlerinnen auf und ab laufen. In den Trainingshallen Nord und Süd, die direkt an die große Arena angegliedert sind, sind die Lichter an. Es ist Spieltag. Für die Nachwuchs-Adler und in der Bundesliga der Frauen. Mit einem Unterschied: Während erst die männliche U13 und später die U17 in der Südhalle spielen, in der sich eine kleine Tribüne und Sitzgelegenheiten mit Tischen befinden, spielt die Bundesliga nebenan in Halle Nord. Ohne Tribüne oder anderen Schnickschnack.

Hochklassiges Spiel mit wenigen Zuschauern

Nicht, dass ich unbedingt Schnickschnack bräuchte, wenn ich mir ein Eishockeyspiel ansehe. Direkt an der Bande zu stehen und zusammenzuzucken, wenn der Puck gegen das Plexiglas scheppert, ist mir eindeutig lieber als in der SAP Arena weit oben zu sitzen und die Jacke auszuziehen, weil die Temperatur im Stadion mit Winter nichts zu tun hat. Aber wie Bundesliga-Niveau fühlt es sich auch nicht an, als die Mad Dogs Mannheim die Frauen des ERC Ingolstadt empfangen. Zumindest nicht das, was mich neben dem Eis erwartet. Auf dem Spielfeld selbst zeigen die Spielerinnen eine spannende Partie, in der es um wichtige Punkte für den Einzug in die Playoffs geht. Schade, dass dieses hochklassige Spiel nur ein paar wenige Zuschauer:innen live im Stadion verfolgen.

Aber es wundert mich nicht. Dass hier an diesem Abend überhaupt Bundesliga gespielt wird, wissen nur diejenigen, die sich sowieso für Fraueneishockey interessieren. Und diejenigen, auf die das zutrifft und die aus der Umgebung kommen, zieht eine Halle ohne Sitzplätze wahrscheinlich nicht gerade an. Kinder können nicht über die Bande sehen, als Pressevertreter keine Chance, sich mit dem Laptop irgendwo hinzusetzen. Nicht einmal eine Toilette befindet sich hier in der Halle – auch da müssen wir dorthin, wo die Jugendmannschaften spielen. Und ein Verkauf von Essen und Getränken ist in den Nebenhallen der SAP Arena aufgrund der Corona-Pandemie verboten.

Fehlende Unterstützung für Vereine

Die nicht vorhandene Bundesliga-Atmosphäre spiegelt wider, was das gesamte Fraueneishockey in Deutschland erlebt: kaum Wertschätzung, kaum Aufmerksamkeit. Dafür jede Menge Hindernisse und Hürden, überhaupt eine Mannschaft stellen und Spielerinnen sowie Fans für sich begeistern zu können. Die Vereine müssen eine Menge Arbeit, Zeit und Geld investieren und anstatt von Hallenbetreibern und dem Verband Unterstützung zu bekommen, scheint es, als würden eher noch zusätzlich Steine in den Weg gelegt. Das ist schade. Denn was Mannheim und Ingolstadt an diesem Wochenende in der Halle zeigen, ist toller Sport, der es verdient hat, gesehen zu werden. Dass sich mit den beiden Siegen über den ERC die Mad Dogs Mannheim zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein Playoffs-Ticket sicher, ist zumindest dem Mannheimer Morgen am Sonntagabend ein kurzer Artikel wert.

Vor einigen Wochen verkündete der DEB, dass die Playoffs der Frauen nun im Best-of-Five-Modus gespielt werden. Es soll ein Schritt zu mehr Professionalisierung sein. Das ist erfreulich, mehr aber auch nicht. Denn eine Best-of-Five-Runde bringt doch nur dann etwas, wenn die Spiele auch gesehen werden. Es bleibt also zu hoffen, dass es nicht bei dieser einen Maßnahme bleibt, sondern das Fraueneishockey besser vermarktet und für die Öffentlichkeit zugänglich wird. Und dazu gehört eben auch, dass man den Zuschauern in der Halle etwas bieten kann – neben hochklassigem Sport. Aber wer weiß, vielleicht dürfen die Mad Dogs ja zumindest in den Playoffs die Südhalle nutzen und Fans, Pressevertretern und Sponsoren einen Sitzplatz bieten.

Erschienen in Eishockey, Meinung am 18. Januar 2022

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