Motorsport

Start der Formel 1: Wo stehen die Frauen auf dem Weg in die Königsklasse?

Am Wochenende ist es wieder soweit: Mit mehr als drei Monaten Verspätung startet die neue Formel 1-Saison in Österreich – ohne Fans an der Rennstrecke, aber mit jeder Menge männlicher Fahrer. Das könnte sich bald ändern, denn verschiedene Initiativen möchten Frauen in die Formel 1 bringen.

Wenn am kommenden Sonntag die Lichter am Red Bull Ring in Spielberg ausgehen, treten 20 Fahrer aus 10 Teams wieder auf das Gaspedal. Doch schon länger kämpfen verschiedene Initiativen und Projekte und auch Motorsport-Fahrerinnen selbst dafür, dass zukünftig auch Frauen mit in der Startaufstellung stehen. Zuletzt haben der Weltverband FIA und die Kommission Frauen im Motosport ein neues Projekt ins Leben gerufen, bei dem jungen Frauen der Weg in den Rennsport geebnet werden soll.

Das Programm „Girls on Track - Rising Stars“ verfolgt das Ziel, innerhalb von drei Jahren die erste junge Frau als Teil der Ferrari-Fahrerakademie auszubilden. Eine von 25 jungen Frauen zwischen zwölf und 16 Jahren aus der ganzen Welt soll die Chance bekommen, einen Platz in der Ferrari Akademie zu bekommen und sich für Trainingslager im Kart- und Formel-4-Bereich zu qualifizieren. Die Besten können sogar auf ein einjähriges Startrecht in der Formel 4 mit Option auf ein weiteres Jahr hoffen.

Ferrari und FIA fördern Rennfahrerinnen

Um die Plätz zu vergeben, sollen im Oktober zunächst an der französischen Winfield Racing School auf dem Circuit Paul Richard nahe Le Castellet Rennen ausgefahren werden. Auf die besten zwölf Fahrerinnen warten weitere Testfahrten und zwei verschiedene Trainingscamps mit dem Fokus auf Kartsport und Formel 4. Die vier besten Fahrerinnen dürfen eine Woche in die Ferrari-Driver-Academy im italienischen Maranello schnuppern, wo ihnen Dinge in Sachen Fahren, aber auch Wirtschaft und Medien vermittelt werden. Die beste Nachwuchssportlerin bekommt dann die Chance auf einen Platz in der Academy sowie einen Startplatz in der Formel-4-Rennserie. Das Projekt ist auf vier Jahre ausgelegt. 2021 soll ein zweiter Ausscheidungsprozess erfolgen.

Geschichte: Frauen in der Formel 1

Seit 1976 hat es keine Frau mehr an den Start eines Formel-1-Rennens geschafft. Erst zwei Fahrerinnen haben in der 70-jährigen Geschichte der Formel 1 an Rennen teilgenommen. Als erste Frau gab die Italienern Maria Teresa de Filippis 1958 in Belgien ihr Formel-1-Debüt. Seitdem ging nur ihre Landsfrau Lella Lombardi Mitte der Siebzigerjahre in zwölf Rennen an den Start und holte 1975 als einzige Frau Punkte in der Rennwertung. Weitere Fahrerinnen in einem Formel-1-Cockpit, darunter Divina Galica, Desiré Wilson und Giovanna Amati, schafften zwischen 1976 und 1992 nie die Qualifikation für die Rennen.

Seitdem sind Frauen in der Königsklasse lediglich als Testfahrerinnen aktiv. Denn obwohl die Formel 1 inzwischen neben der Rennstrecke mit Teamchefinnen, Ingenieurinnen , Pressesprecherinnen und Journalistinnen weiblicher geworden ist, bleibt die Rennserie eine Männerdomäne. Das wollen Initiativen ändern, in dem sie mehr Frauen in die Spitzenklasse des Motorsports führen.

Initiativen für Frauen im Formel-1-Cockpit

Neben dem „Girls on Track - Rising Stars“-Programm bemüht sich auch die Frauen-Kommission der FIA mit einer eigenen Rennfahrerinnen-Sichtung um die Unterstützung von Rennfahrerinnen. Auch der von der ehemaligen DTM- und Formel-1-Test-Fahrerin und heutigen Teamchefin des Venturi Formula E Teams Susie Wolff gegründete gemeinnützige Verein „Dare to be Different (D2BD)“ verfolgt die Mission, die nächste Generation junger Frauen für eine Karriere im Motorsport zu begeistern und so neue Vorbilder zu schaffen.

W-Series: Erste Frauen-Rennserie wegen Corona abgesagt

Die erste Frauen-Motorsport-Rennserie, die 2019 zum ersten Mal an den Start ging, wurde in diesem Jahr wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt. Die sogenannte W-Series, dessen Rennen in dieser Saison im Rahmen der DTM vorgesehen waren, hätte am 30. Mai in St. Petersburg losgehen und am 31. Oktober in Mexiko-Stadt enden sollen. 2021 soll die Rennserie größer und besser auf die Rennstrecke zurückkehren und Rennen unter anderem im Rahmenprogramm der Formel-1-Rennen in den USA und Mexiko stattfinden.

Jana Glose

Jana Glose

Erschienen in Motorsport am 02. Juli 2020

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