Wintersport

EM-Zeitfahren: Reusser verteidigt Titel, Brennauer und Klein verpassen Spitzenplätze

Beim EM-Zeitfahren der Frauen waren alle Augen auf Lisa Brennauer und Lisa Klein gerichtet, die Medaillen gewannen aber andere. Sportfrauen berichtet aus München.

Es war nicht der Tag der deutschen Frauen in Fürstenfeldbruck, einem kleinen Städtchen nahe München. Man liebäugelte mit einer Medaille, am Ende landeten Lisa Brennauer und Lisa Klein beim EM-Zeitfahren auf Rang zwölf beziehungsweise 23.

Die Strecke war nicht lang, nur 24 Kilometer mussten bewältigt werden, dafür aber 180 Höhenmeter. Besonders Lisa Brennauer hatte sich für das letzte Zeitfahren ihrer Karriere – nach den Europameisterschaften beendet die 34-Jährige ihre Laufbahn – einiges ausgerechnet. Als drittletzte ging sie ins Rennen, wurde aber schon schnell von der nach ihr startenden und späteren Siegerin Marlene Reusser eingeholt.

Sebastian Sternemann / Munich 2022

„Es war heute superschwer und gar nicht mein Tag. Platz zwölf ist nicht das, was ich oder die Zuschauer von mir gewohnt sind“, so Brennauer gegenüber Sportfrauen. Diesmal sei der Umstieg auf die Straße nicht so gelungen wie üblich. Noch vergangene Woche gewann Brennauer Gold und Silber auf der Bahn. „Ich hätte gerne oben auf dem Treppchen gestanden, aber ich akzeptiere es wie es ist.“ Fast zwei Minuten fehlten Brennauer auf Europameisterin Reusser.

Lisa Klein: „Schlechtestes Zeitfahren meiner Karriere“

Richtig enttäuscht über ihre Platzierung war Lisa Klein, die vor drei Jahren bereits EM-Bronze im Zeitfahren gewinnen konnte. Lief zu Beginn noch alles nach Plan, ging am Ende nichts mehr – 3:36,00 Minuten Rückstand hatte sie auf Platz eins. „Meine Beine waren völlig in Ordnung, aber das Herz-Kreislauf-System und die Atmung haben überhaupt nicht mitgespielt. Ich habe Seitenstechen bekommen und versucht, tief Luft zu holen, aber das klappte überhaupt nicht,“ sagte Klein nach dem Rennen gegenüber Sportfrauen.

Ihr Körper sei nach einer Corona-Infektion im Juli noch geschwächt, so Klein. Bereits beim Gold-Gewinn in der Mannschaftsverfolgung vergangene Woche auf der Bahn sei sie über ihre Grenzen gegangen. „Das muss ich heute auch machen, weil ich erstmal mit dieser Niederlage umgehen muss. Das war das schlechteste Zeitfahren meiner Karriere.“ Dabei wurde die 26-Jährige Ende Juni noch Zweite bei den deutschen Meisterschaften, hinter Lisa Brennauer. „Wenn man das Zeitfahren von der DM und heute vergleicht, sind das Welten. Das ist natürlich enttäuschend.“

Marlen Reusser verteidigt ihren Titel

Am Ende wurde es ein Zweikampf zwischen Ellen van Dijk und Marlen Reusser um die EM-Krone, welchen die Titelverteidigerin Reusser aus der Schweiz in 30:59.90 Minuten für sich entscheiden konnte. Sie verwies die Niederländerin van Dijk um sechs Sekunden auf den zweiten Platz. Dritte wurde ihre Landsfrau Riejanne Markus.

Besonders die gute Stimmung an der Strecke und die große Unterstützung der Schweizer Fans habe sie angespornt. Dennoch trog ihr Eindruck, was ihre eigene Leistung anging: „Während des Rennens habe ich gar nicht an die Titelverteidigung geglaubt, weil ich mich rein körperlich nicht so top gefühlt habe“, so Reusser gegenüber Sportfrauen. Umso emotionaler habe sich dann der Sieg angefühlt.

Am Sonntag wartet noch das Straßenrennen

Die Straßenwettbewerbe sind für die Frauen jedoch noch nicht vorbei, denn am Sonntag (21.8.) wartet noch das Straßenrennen auf die Radsportlerinnen. Über 129 Kilometer geht es von Landsberg am Lech nach München. Auch Lisa Klein und Lisa Brennauer werden dann wieder am Start stehen, für letztere wird es das letzte Rennen ihrer Karriere sein.

Dennoch werde sie alles geben. „Es ist nicht so, dass ich da eine Abschiedstour mache und das so dahin plätschern lasse. Wir haben noch viel vor. Ich denke, dass da was drin ist für uns und wir werden dafür kämpfen“, sagt Brennauer. Neben Klein und Brennauer werden unter anderem noch Liane Lippert und Franziska Koch antreten, die ebenfalls bei der Tour de France Femmes dabei waren. Insgesamt sind acht deutsche Fahrerinnen am Start.

Katarina Schubert

Katarina Schubert

Erschienen in Radsport am 17. August 2022

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