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Tennis

Wie Politik aktiv Gleichberechtigung verhindert – Ein Kommentar zum Spielverbot in Berlin

MeinungDie Eisbärinnen aus Berlin durften an diesem Wochenende nicht zuhause spielen und auch der kommende Spieltag muss außerhalb Berlins stattfinden. Die Senatsverwaltung stuft das Team als Nicht-Profis ein. Und verhindert damit aktiv einen Schritt zu mehr Gleichberechtigung im Sport – schreibt unsere Redakteurin in einem Kommentar.

Eigentlich hätten an diesem Wochenende die Eisbärinnen gegen die Mad Dogs aus Mannheim gespielt. Zuhause. Doch kurzfristig wurden die beiden Partien abgesagt und die Mannheimerinnen spielten am Samstag gegen die die eigentlich spielfreien Memmingen Indians. Das Spiel ging 6:4 an die Gastgeberinnen aus dem Allgäu – aber die eigentlichen Verliererinnen kommen aus Berlin. Warum haben sie nicht gespielt? Es ist eine politische Frage und eine die mir zeigt, dass die Gleichberechtigung im Sport noch nicht annähernd vorhanden ist. Und vielleicht auch gar nicht gewollt ist.

Die Hauptstadt hat – entgegen der Einschätzung des Deutschen Eishockey Bunds – die Deutsche Eishockey Frauen Liga (DEFL) als Amateur- und nicht als Profiliga eingestuft. Die Senatsverwaltung begründet das damit, dass die Frauen-Bundesliga im Eishockey keine ausgegliederte professionelle Liga sei, also unter anderem nicht von einer Betriebsgesellschaft geführt werde, schreibt die taz. Eine offizielle Definition, was Profisport ist und was nicht, scheint es nicht zu geben. Die Länder machen sich ihre eigenen Definitionen – und Berlin tut das wie selbstverständlich zum Nachteil der Frauen. Und da fängt der Teufelskreis in meinen Augen an: Wie kann eine Liga, ein Verein, eine Spielerin jemals hochprofessionell werden, wenn die Politik das nicht unterstützt?

Negative Folgen für Image des Fraueneishockeys

Ein Grund, warum etwa der DEB die DEFL als Profiliga eingestuft hat: Es gibt auch eine Frauennationalmannschaft. Und die spielt zum Beispiel vom 7. bis 21. April 2021 bei der IIHF Frauen-Weltmeisterschaft in Halifax und Truro/Kanada. Deutschland trifft dort in Truro in Gruppe B auf Japan, Tschechien, Dänemark und Ungarn. Wenn die Spielerinnen in ihren Vereinen aber nicht genügend Spielpraxis bekommen, fehlt es an Routine und Sicherheit im Nationalteam. Und wenn dieses dann bei der WM nicht gut abschneidet, wirkt sich das wieder negativ auf das Image des Fraueneishockeys aus. Ganz einfache Überlegungen, die sich meiner Meinung nach auch Politiker machen könnten. Oder vielleicht auch machen – und sich trotzdem bewusst dafür entscheiden, eine Mannschaft wie die Frauen der Eisbären Juniors Berlin nicht spielen zu lassen. Das ist weder nachhaltig noch fair.

Der DEB hat sich – zumindest öffentlich – nicht zu der Entscheidung aus Berlin geäußert. Dabei würden sich die Eisbärinnen hier mehr Unterstützung wünschen. Ich mir auch. Denn schließlich geht in der Politik nichts ohne Lobby und Fürsprecher. Das Verbot für die Berlinerinnen gilt noch bis 30. November – dann wird neu entschieden. Und hoffentlich fällt die Entscheidung dann für die Eisbärinnen aus, für die Gleichberechtigung.

Erschienen in Eishockey, Meinung am 22. November 2020

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