Paralympics aktuell Tag 4 & 5: Silber für Frances Herrmann

Das Wochenende in Tokio bei den Paralympischen Spielen brachte wieder einige Medaillen für das deutsche Team hervor.

Leichtathletik: Silber für Speerwerferin Herrmann und Bronze für Sprinterin Ave

Das Speerwerferin Frances Herrmann nach ihren sechs Würfen auf Platz zwei landen würde, damit hat sie nicht so wirklich gerechnet. Die Teilnahme allein war für die Mutter eines 1,5 Jahre alten Sohnes bereits ein Traum.

Es war keine einfache Vorbereitung. Die Medaille legitimiert ein bisschen, dass ich ihn alleine zuhause gelassen habe. Man ist immer ein bisschen hin- und hergerissen, aber jetzt habe ich gezeigt, dass ich es auch als Mutter kann und ich werde daran weiterarbeiten. Ich möchte, dass mein Sohn damit aufwächst und sieht, dass das eine tolle Sache ist. Ich werde jetzt erstmal meinen Trainer und mein Handy suchen und zuhause anrufen, weil meine Mutti gesagt hat, wenn ich eine Medaille gewinne, geht sie in den See baden. Zuhause sind es 16 Grad, in diesem Sinne.


Für die zweite Medaille sorgte Sprinterin Lindy Ave. Die Greifswalderin sprintete nach fast zweijähriger verletzungsbedingter Pause überraschend zu Bronze über 100m - und das nach nur sechs Monaten Training!

Ich bin einfach nur glücklich. Neue Bestzeit, Dritte bei den Paralympics - besser hätte es heute nicht laufen können.

@Binh Truong / DBS 

Rennrollstuhlfahrerin und Paralympics Debütantin Merle Menje überzeugte wieder gegen die Weltspitze. Nach ihrem sechten Platz über 5000m, schaffte sie es einen Tag später ebenfalls über 800m sich für den Finallauf zu qualifizieren. Hier bestätigte sie ihre hervorragende Form und gewann in einem taktisch klugen Rennen den vierten Platz. Nun hat Menje noch die Chance über 1500m ins Geschehen einzugreifen.

Sprinterin Isabelle Foerder erreichte über die 200m in 33,05 Sekunden Platz sieben.

Richtig bitter verlief es für Teamkollegin Nicole Nicoleitzik. Nach ihrem Lauf über 200m freute sie sich bereits über Bronze, musste jedoch dann Minuten später in der Ergebnisliste eine Disqualifikation sehen. In der Kurve des Rennens hat sie leider ihre Bahn verlassen und die gegnerische betreten. Über die 100m hat sie die Chance auf Wiedergutmachung.

Schwimmen: Verena Schott holt sich ihre zweite Bronze-Medaille

Verena Schott schreibt das nächste Kapitel ihres Tokio-Märchens mit ihrem zweiten Edelmetall. Über ihre "Hass-Liebe" Strecke, die 100m Brust schlug sie in einem äußerst engen Finale nach  1:43,61 Minuten an. Dieser Erfolg ist noch höher zu bewerten, wenn man bedenkt, das sie erst seit 6 Wochen ihre Brusttechnik komplett umgestellt hat. Statt den langen Zügen, schwimmt sie nun kurze schnelle Züge, was sich bereits auszahlt.

@ Florian Schwarzbach / DBS

Auch für Paralympics-Neuling Mira-Jeanne Maack geht es erfolgreich weiter. Über 200m Lagen erreichte sie wieder einen Finallauf und schloss diesen mit einem respektablen sechsten Platz ab. Ihre Paradestrecke, die 400m Freistil, stehen noch an.

Für Gina Böttcher reichte es über 150m Lagen nicht für einen Finaleinzug. Diesen kann sie in dieser Woche über weitere drei Strecken sich aber noch erfüllen.

Tischtennis: Stephanie Grebe gewinnt Bronze

Trotz der Halbfinal-Niederlage (10:12/6:11/ 6:11) gegen die Weltranglistendritte Maliak Alieva aus Russland, darf sich Stephanie Grebe Bronze um den Hals hängen.

@Mika Volkmann/DBS

Ich wusste, dass es knapp wird. Nichtsdestotrotz habe ich 2019 bei der WM in Helsingborg zweimal deutlich besser gegen Alieva gespielt. Heute ging gar nichts. Das ärgert mich sehr. Natürlich freue ich mich aber auch sehr über die zweite Paralympics-Medaille meiner Karriere.

Rudern: Fünfter Platz für Sylvia Pille-Steppat 

Die 54-Jahre alte Ruderin Sylvia Pille-Steppat verlässt die Spiele mit einem lachenden und weinenden Auge. Zufrieden über ihren fünften Platz bei ihrer Premiere blickt sie bereits entschlossen nach Paris. Im Finale machte ihr der berüchtigte Schiebewind auf der Regattastrecke ordentlich zu schaffen und verhinderte eine bessere Platzierung. Leider blies dieser entgegen der Fahrtrichtung und sorgte für mächtig Widerstand beim Rudern. Den nötigen Schub für ihren Endspurt holte sie sich von den anwesenden Sportlern auf der vollbesetzten Tribüne am Finaltag.

Das ist wirklich prima, für den Endspurt hat mir das nochmal Schwung und Motivation gegeben. Ich möchte es auf jeden Fall versuchen, mich für Paris zu qualifizieren. Ich habe mich im letzten Jahr nochmal gut entwickelt und es gibt auch noch einiges zu verbessern. Und das möchte ich unbedingt versuchen.

Basketball: Deutsches Team Gruppensieger

Die deutschen Damen zeigen weiterhin eine bärenstarke Leitung und sind als Gruppensieger für das Viertelfnale qualifiziert. Gegen die Gastgeber aus Japan machten sie es sehr spannend und konnten sich erst in der Crunchtime absetzen. Mit dem 59:54-Erfolg haben sie nun sich die beste Ausgangsposition für die kommenden K.o.-Spiele erarbeitet.

Tennis: Katharina Krüger verliert Auftaktmatch

Die Berlinerin Katharina Krüger durfte als einzige deutsche Rollstuhltennisspielerin die Reise nach Tokio antreten. Bei ihren vierten Paralympics erwischte sie gleich in der ersten Runde, die aktuelle Nr. vier der Welt und Zweite von Rio, Aniek van Koot. Trotz der geringen Chancen auf einen Sieg zeigte die 31-jährige ein sehr ansprechendes Match und bot der Niederländerin ordentlich Paroli. Mit 3:6 und 1:6 muss sie nun wieder die Heimreise antreten, dies jedoch mit neuem Selbstvertrauen für die kommenden Turniere.

Ich habe im ersten Satz mehr als mitgehalten und auch im zweiten Satz hatte ich meine Chancen. Am Ende habe ich sie nicht richtig genutzt. Ich wusste, dass es schwierig wird gegen Aniek. Ich habe mir vorgenommen hier zu zeigen was ich drauf habe und das ist aufgegangen. Ich bin happy, dass ich mich gut verkauft habe, und das gibt mir Selbstvertrauen für den weiteren Weg.

Fechten: Sylvie Tauber Zwölfte im Florett

Ihren Auftritt bei den Entscheidungen im Florett hat sich Sylvie Tauber im Vorfeld anders vorgestellt. Sie wollte einfach nur Spaß haben und die Gefechte mit ihrer Nebenwaffe dem Florett geniessen, doch alles kam anders. Tauber erlitt mehrere spastische Anfälle und musste später ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die dortigen Vorgänge um Taubers Behandlung vor den Gefechten und alle weiteren Vorkommnisse lässt der Deutsche Behindertensportverband untersuchen, da sich offensichtlich nicht an die gültigen Regularien gehalten wurde und der Umgang mit ihr diese Anfälle auslösten.

Verfasst von Yvonne Glöde

Erschienen in Leichtathletik, Schwimmen am 30. August 2021

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