Radsport

Olympia aktuell Tag 5: Ersehnte Medaille im Schwimmen, großes Pech im Rudern

An Tag 5 der Olympischen Spiele in Tokio gab es für Team Deutschland ein Wechselbad der Gefühle. Im Reiten und endlich auch wieder im Schwimmen sammelten die Damen Medaillen ein. Der erwartete Podestplatz im Rudern fiel jedoch ins Wasser – Schuld war unter anderem ein Krebs.

Nach 13 Jahren Medaille im Schwimmen

Nach dem Anschlag trommelte sie wild mit den Händen aufs Wasser und schrie ihre Freude heraus, und die gesamte Mannschaft des Deutsche Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) jubelte mit. Denn mit Sarah Köhler hat erstmals seit dem Doppelsieg von Britta Steffen im Jahr 2008 wieder eine deutsche Beckenschwimmerin eine Medaille bei den Olympischen Spielen gewonnen. Die 27-Jährige von der SG Frankfurt kraulte über 1500m Freistil in deutscher Rekordzeit (15:42,91 Minuten) hinter den US-Amerikanerinnen Katie Ledecky (15:37,34) und Erica Sullivan (15:41,41) zur Bronzemedaille. Köhler sagte:

Ich würde sagen, bis hierher war das das Rennen meines Lebens.

Die 1500m Freistil sind neu im olympischen Programm, und das Premieren-Rennen in Tokio zeigte allen den besonderen Reiz dieses Langstreckenrennens. Denn während Ledecky ihrem insgesamt sechsten Olympiagold entgegenstürmte, gab es dahinter heftige Positionskämpfe. So hängte sich Köhler erst einmal clever an Weltmeisterin Simona Quadarella (ITA) und die im Vorlauf so schnelle Jianjiahe Wang (CHN) und zog dann nach zwei Dritteln der Distanz das Tempo an und vorbei. Die auf der anderen Seite des Beckens heranfliegende Sullivan konnte Köhler zwar nicht halten, aber den dritten Platz gab sie nicht mehr her. Ihren nationalen Rekord verbesserte sie dabei um über sechs Sekunden.

„Ab 900 Metern etwa tat es wirklich richtig weh und dann ist es, so wie für alle anderen auch, ab einem gewissen Punkt ein Kampf gegen den inneren Schweinehund. Aber ich wollte so wie jeder in dem Finale die Medaille und dann habe ich einfach versucht, diesen Schmerz zu ignorieren“, erzählte Köhler hinterher. „Und ab einem gewissen Punkt habe ich gemerkt, dass die Chinesin ihre Vorleistung aus dem Vorlauf nicht wiederholen kann und ich vorbeigehen kann und dann habe ich die Chance einfach genutzt.“ Ihr Kindheitstraum von einer Olympiamedaille ging damit in Erfüllung.

Frauen-Vierer fängt Krebs und verpasst Medaille

Ein ganz bitterer Tag für Frieda Hämmerling, Carlotta Nwajide, Franziska Kampmann und Daniela Schultze (RG Germania e.V. Kiel/DRC Hannover/RV Waltrop/RC Potsdam) im Frauen-Doppelvierer. 1750 m lag das Quartett auf Silberkurs hinter den wie zu erwarten starken Chinesinnen. Doch dann fing das deutsche Boot einen Krebs und kam total aus dem Rhythmus. Diesen Fehler nutze die Konkurrenz aus und verwies das deutsche Boot am Ende auf Rang fünf. „Wir sind durch die schwierigen Bedingungen ein bisschen aus dem Tritt gekommen, haben einen Krebs gefangen, sind dann nicht so schnell wieder in Tritt gekommen und mussten dann den Silberrang abgeben. Wir hätten unser Ding einfach sauber zu Ende fahren müssen, das haben wir nicht gemacht, das haben die anderen einfach besser gelöst bei den Bedingungen. Bis zur 1750 m Marke war es eigentlich unser bisher bestes Rennen, wir konnten lange mit den Chinesinnen mithalten, das Ergebnis zieht es jetzt leider nach unten“, erklärt eine enttäuschte Franziska Kampmann. „Wir müssen das jetzt akzeptieren, können es leider nicht rückgängig machen. Das gehört zum Sport dazu“, so Carlotta Nwajide. 

Gold und Silber im Dressurreiten

Nach Teamgold gewinnen die deutschen Dressurreiterinnen auch Gold und Silber in der Einzelwertung. Jessica von Bredow-Werndl (Aubenhausen) mit TSF Dalera erzielt mit einer herausragenden Kür 91,732 Prozent und liegt damit vor ihrer Teamkollegin Isabell Werth (Rheinberg) und Bella Rose mit 89,675 Prozent. Bronze geht an die Titelverteidigerin Charlotte Dujardin aus Großbritannien mit Gio. Dorothee Schneider (Framersheim) beendet die Kür mit Showtime FRH auf Platz 15. 

Zeitfahren der Frauen: Brennauer auf 6, Klein auf 13  

   

Mit der Niederländerin Annemiek van Vleuten hat eine der großen Favoritinnen das Olympische Einzelzeitfahren gewonnen. Auf der 22,1 km langen Strecke, die 400 Höhenmeter aufwies, fuhr sie in 30:13 Minuten die klare Bestzeit, war fast eine Minute schneller als die Schweizerin Marleen Reusser. Bronze ging an Anna Van der Breggen (Niederlande). Die Deutsche Meisterin Lisa Brennauer (Durach) belegte auf dem technisch anspruchsvollen Kurs mit 1:57 Minuten Rückstand einen guten sechsten Platz. Lisa Klein aus Erfurt wurde 13. Lisa Brennauer sagte: 

Es war ein super schweres Zeitfahren, das Niveau der Konkurrenz sehr hoch. Darum ist der sechste Platz sicherlich ein Top-Ergebnis, auch wenn ich natürlich sehr gern eine Medaille gewonnen hätte. Ich bin ein gutes Rennen gefahren, habe trotz des ständigen Auf und Abs meinen Rhythmus gefunden, keine Zeit liegen gelassen. Aber mein Grundtempo war für eine Medaille einfach zu langsam.

Deutsche Hockey-Frauen buchen Viertelfinal-Ticket

Die deutschen Hockey-Frauen sind mit dem dritten Sieg im dritten Spiel vorzeitig ins Viertelfinale des Olympia-Turniers eingezogen. Die Mannschaft von Bundestrainer Xavier Reckinger blieb auch beim verdienten 4:2 gegen Irland makellos und kann damit schon für die am Montag startende K.o.-Phase planen. Gegen Irland kam das überlegene deutsche Team zunächst nur selten in Bedrängnis.

Verfasst von Sportfrauen

Erschienen in Hockey/Floorball, Radsport, Reitsport, Schwimmen, Wassersport am 28. Juli 2021

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