Auf dieser Website werden Cookies eingesetzt.

Die Cookies ermöglichen viele hilfreiche Funktionen dieser Seite und erfüllen Analysezwecke.
* Mehr Informationen dazu finden Sie in unseren Datenschutzerklärungen

Vom großen Traum, noch einmal im Nationaltrikot zu laufen

Sie studiert, macht einen Nebenjob, kümmert sich um ihre Vermarktung – und arbeitet an ihrem Comeback: Maike Schachtschneider will die 400-Meter-Strecke noch einmal im Deutschlandtrikot laufen. Ihr Ziel ist die EM 2022 in München.

Die Deutschen Meisterschaften in der Leichtathletik werden wegen der Coronakrise verschoben, ein neuer Termin steht noch nicht fest. Für Maike Schachtschneider (26) gar nicht so schlimm. Im Gegenteil. Die Sprinterin – 400 Meter sind ihre Top-Strecke – will die Zeit nutzen, um wieder zurück zu ihrer Bestleistung zu finden. Dazu hat sie vor einigen Wochen den Verein gewechselt, ihre bisherige Trainingsgruppe hinter sich gelassen und will es vor allem sich selbst noch einmal beweisen.

Maike, 400 Meter sind nicht gerade eine angenehme Disziplin. Wie kommt’s, dass sie dein Spezialgebiet sind?

„Die 400 Meter haben eher mich ausgesucht als anders herum. Schon als Kind habe ich Leichtathletik gemacht und schnell war klar, dass ich im Sprint talentiert bin. Vor allem auf den 400 Metern. Die 200 Meter laufe ich zwar eigentlich lieber, aber da bin ich eben nicht so gut darin. Und mal ehrlich: Auch wenn die letzten 100 Meter wirklich hart sind, im Ziel fühle ich mich jedes Mal gut.“

Du startest seit diesem Jahr für die LG TELIS Finanz Regensburg. Warum bist du dorthin gewechselt?

„Zuletzt lief es nicht mehr so gut. Daher der Wechsel, ich wollte nochmal neu anfangen. Klar, ich bin mit 26 Jahren nicht mehr die jüngste Sprinterin, aber ein paar Jahre habe ich noch. Zwar habe ich meine Zeiten über die kürzeren Strecken wieder ein wenig verbessern können in den vergangenen Jahren, doch es war Zeit für einen Wechsel. Auch wenn ich mit meiner Trainingsgruppe in Wattenscheid richtig gut klarkam und nur schweren Herzens von dort weggegangen bin. Aber ich will es mir selbst jetzt nochmal zeigen.“

Wieso lief es nicht mehr so gut?

„Wenn ich das wüsste… Es ist wohl eine Kombination aus vielen Puzzleteilen. Zum einen war ich sehr früh sehr erfolgreich und habe in der Jugend national alles erreicht, was nur möglich ist. 2012 war mein bestes Jahr. Ich war dreimal Deutsche Meisterin, bin bei der U20-WM über 400 Meter ins Halbfinale gelaufen. Ich hatte im Jahr darauf Pfeiffersches Drüsenfieber, das hat ziemlich an meinen Kräften gezehrt. Danach konnte ich diese Erfolge nicht mehr wiederholen – und der Druck wurde immer größer.“

Druck von außen oder machst du ihn dir selbst?

„Beides. Von Sponsoren, Trainern, mir selbst. Unter Druck kann ich nicht so schnell laufen, das hat mich blockiert. Ich habe nach den Läufen oft geweint.“

Das heißt, der Sport bedeutet dir sehr viel.

„Ja, auf jeden Fall. Ich versuche den Sport immer an erste Stelle zu setzen. Dahinter kommt gleich mein Studium. Ich studiere in Bochum „Gesundheit und Diversity“. Die übrige Zeit teile ich auf Nebenjob, Selbstvermarktung und Familie auf.“

Nebenjob und Selbstvermarktung? Erklär‘ uns das mal genauer.

„Anfangs habe ich mich nach einem Management umgesehen. Aber das ist ziemlich teuer. Daher vermarkte ich mich selbst über Social Media. Mit fast 14.000 Followern auf Instagram bekomme ich jetzt hin und wieder Kooperationen mit Firmen angeboten. Aber zum Leben reicht das noch nicht. Deswegen arbeite ich noch im Einzelhandel, um mir den Sport finanzieren zu können.“

Zumindest für das Studium kannst du die Zeit in der Coronapause jetzt nutzen, oder?

„Langweilig ist es mir auf jeden Fall noch nicht geworden. Als die Ausgangsbeschränkungen angekündigt wurden, bin ich zu meinen Eltern gefahren und verbringe die Zeit nun hier mit Gartenarbeit, Homeworkout und Lauftraining im Wald.“

Training im Verein habt ihr gerade gar keines?

„Das ist aktuell komplett heruntergefahren. Auf die Sportplätze dürfen wir momentan sowieso nicht. Außerdem wären wir im Mai in Höchstform, würden wir jetzt wie gewohnt weitertrainieren. Aber nachdem die Deutschen Meisterschaften verschoben werden, ist die Trainingsreduzierung auch erstmal gar nicht so schlimm.“

Du klingst, als würde dir die Verschiebung sogar gelegen kommen.

„Das stimmt ein bisschen, ja. Nachdem ich die Trainingsgruppe gewechselt habe, muss ich erst einmal dort ankommen und das Training wieder so richtig aufnehmen. Daher sehe ich das Jahr 2020 sowieso als Übergangsphase. Und kann mich dann voll auf mein großes Ziel konzentrieren.“

Was ist dein großes Ziel?

„Ich will 2022 bei der EM in München in der 4x400 Meter Staffel laufen. Das habe ich mir als konkretes Ziel gesteckt und darauf arbeite ich hin. Ich will später sagen können, ich habe alles versucht. Aber noch einmal für Deutschland an den Start gehen zu dürfen, ist mein Traum.“

Erschienen in Coronavirus, Leichtathletik am 07. April 2020

Artikel zum Thema

Weitere Artikel