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Syntainics-Geschäftsführerin Elke Simon-Kuch: Frauen sollten sich Führung trauen

ExklusivNicht so viel an sich zweifeln und stattdessen einfach mal trauen: Elke Simon-Kuch ist Unternehmerin und Geschäftsführerin eines Basketball-Herrenclubs. Sie will andere Frauen ermutigen, ebenfalls Verantwortung im Sport zu übernehmen.

Als Frau den Werdegang eines Männervereins in die Hand nehmen – in Deutschland ein äußerst seltenes Szenario. Elke Simon-Kuch ist seit 2015 gemeinsam mit Martin Geissler Geschäftsführerin bei den SYSTAINICS MBC, die in der Basketball Bundesliga spielen. Neben ihrer eigenen Werbeagentur kümmert sie sich dort vor allem um Netzwerkbeziehungen und Kooperationen. Wir haben bei ihr nachgefragt, wie sie als Frau dort aufgenommen wurde und warum nicht mehr Frauen in Deutschland solche Positionen im Sport innehaben.

Als Frau eine leitende Position im Sport zu haben ist nicht gewöhnlich. Wie haben Sie den Schritt 2015 erlebt?

Als ich die Geschäftsführung übernommen habe, war das für mich ein ganz normaler Vorgang. Für viele andere allerdings nicht. Das ging dann durch die Medien mit Schlagzeilen wie „Erste Frau im Management eines Herrenclubs“. Wer mich kennt, hat das nicht als etwas Besonderes empfunden. Der Rest begegnet mir jedoch mit vielen Fragezeichen.

Auch heute noch?

Ja, auch nach fünf Jahren noch. Die Leute sind überrascht. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie das schlecht finden, aber sie fragen sich, wieso ich das als Frau mache.

Wie reagieren andere Frauen darauf?

Die finden das cool. Ganz nach dem Motto: Das ist eine von uns. Daher bemühe ich mich auch darum, Frauen zu ermuntern, ebenfalls Verantwortung zu übernehmen. Hier müssen wir meiner Meinung nach ansetzen, um etwas zu verändern. Denn ich bin sicher, dass Frauen diese Position genauso gut besetzen können, wie Männer.

Welche Eigenschaften sollte man denn mitbringen?

Für den Posten der Geschäftsführerin sollte man natürlich etwas kaufmännisches Verständnis mitbringen und Führungsqualität haben. Außerdem haben wir im Verein viele ehrenamtliche Helfer, die Zuwendung brauchen. Gerade Frauen können hierbei gut unterstützen. Aber vor allem sollte man sich Führung auch trauen. Frauen stellen sich da viel zu oft selbst in Frage.

Sie arbeiten mit einem Mann zusammen in der Geschäftsführung. Wie funktioniert das?

Sehr gut. Teams aus Männern und Frauen sind am besten, da wir die Dinge ganz unterschiedlich angehen und andere Sichtweisen einbringen. Diese Synergien kann man nutzen, wenn man auf Augenhöhe zusammenarbeitet. Ich kann wirklich nur jede Frau ermutigen, das auszuprobieren.

Welche Ziele verfolgen Sie gemeinsam beim MBC?

Durch Corona ist die Vereinsarbeit natürlich aktuell etwas komplizierter. Wir arbeiten in einem Bereich, der bei viele Unterstützern nicht ganz oben auf der Prioritätenliste stand. Daher wollen wir uns im Moment vor allem finanziell und sportlich behaupten und auch die gute Jugendarbeit fortsetzen.

Gibt es Themen, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Zum einen die Jugendarbeit, die haben wir hier in den vergangenen Jahren verstärkt und können mehr als 2.000 Nachwuchssportler zählen. Außerdem ist mir wichtig, Nachhaltigkeit zu fördern. Wir kooperieren zum Beispiel mit einem Unternehmen aus dem Ölrecycling und veranstalten jährlich das Benefizspiel „Care for climate“, bei dem wir unsere Partner animieren und sensibilisieren, nachhaltig zu handeln. Und wie schon gesagt, möchte ich gerne andere Frauen dazu animieren, sich selbst stärker einzubringen und Führungsverantwortung zu übernehmen. Ich hatte meine Mama und meine Oma als Vorbilder, die schon Unternehmerinnen waren. Jetzt möchte auch ich ein Vorbild für andere Frauen sein.

Vielen Dank für das Interview, Frau Simon-Kuch!
Verfasst von Nina Probst

Erschienen in Basketball, Frauen und Führung im Sport am 28. Juli 2020

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