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Mit harter Arbeit und ohne Kompromisse: Lisa Klein auf der Road to Tokio

Um den Traum von einer Olympia-Medaille wahrzumachen, arbeitet Lisa Klein hart. Nach vielen Erfolgen bei EM und WM will sie nun ihre Karriere mit Olympia krönen.

Als Lisa Klein 2017 in Erfurt Deutsche Meisterin im Straßenfahren wurde, war das eine Bestätigung ihrer Leistungsentwicklung, die sie seit Juniorinnen-Zeiten genommen hat. Sie war erst 20 Jahre alt, als sie die große Favoritin Lisa Brennauer im Zielsprint mit einem Tigersprung auf den zweiten Platz verdrängte. Und es war ein weiterer Meilenstein in der Karriere der ehrgeizigen Saarländerin und das Ergebnis konsequenter, zielorientierter Arbeit im Radsport.

Wenn Lisa Klein ein Ziel verfolgt, dann arbeitet sie hart dafür, ohne Kompromisse. Dann werden im Kraftraum Gewichte gestemmt, auf der Straße Kilometer gebolzt, auf der Bahn Feinabstimmungen justiert. Klein überlässt nichts dem Zufall. Sie ist extrem ehrgeizig und willensstark. Aber sie ist auch manchmal ungeduldig, will zu schnell zu viel, ist dann enttäuscht. Mit den Jahren wird sie aber weiter an Routine gewinnen und auch Grenzsituationen noch besser meistern. Ihre Freizeit verbringt sie gern mit der Familie und Freunden. Erfurt ist längst zur zweiten Heimat der 23-Jährigen geworden. Und für einen guten Kaffee läuft oder fährt sie auch schon Mal einen Umweg.

Vor 6 Jahren die erste EM-Medaille

Ihre Karriere begann Lisa Klein bereits mit zehn Jahren und ernte in den Nachwuchsklassen erste Erfolge auf Bahn und Straße. Nach einigen Medaillen in der Jugend- und Juniorenkasse bejubelte sie 2015 ihre erste U23-Medaille bei der Bahn-EM, als sie zusammen mit Mieke Kröger, Gudrun Stock und Anna Knauer Zweite mit dem Vierer wurde. Mit Kröger und Stock fährt sie auch heute noch zusammen in der Eliteklasse.

Ihre erste Straßenmedaille gewann Lisa Klein 2016 bei der Straßen-EM in der Bretagne, wo sie Bronze im Einzelzeitfahren in der Kategorie U23 gewann. Zwei Jahre später holte sie in der gleichen Disziplin Silber und wurde im Herbst zum ersten Mal Weltmeisterin. Mit ihrer Mannschaft Canyon SRAM jubelte sie in Innsbruck über Gold im Zeitfahren der Firmenmannschaften.

2019 die erfolgreichste Saison

Ihre erfolgreichste Saison aber fuhr sie 2019, auch wenn sie dort keine Goldmedaille gewann. Aber keine deutsche Athleten trug am Ende des Jahres so viele Medaillen um den Hals wie Lisa Klein: WM-Silber beim erstmals ausgetragenen Mixed-Staffel-Zeitfahren zusammen mit Lisa Brennauer, Mieke Kröger, Tony Martin, Jasha Sütterlin und Nils Politt. Das deutsche Sextett gewann schon bei der Straßen-EM einige Wochen zuvor in Alkaar Silber in der Mixed-Staffel. Wieder am Start: Lisa Klein, für die diese Titelkämpfe in der niederländischen Käsestadt die erfolgreichsten ihrer Laufbahn waren: Drei Starts, drei Medaillen, das schaffte sonst keine. Neben dem Erfolg mit der Mannschaft gewann die Saarbrückerin auch Silber im Einzelzeitfahren hinter Titelverteidigerin Ellen van Dijk, die zum vierten Mal Europameisterin wurde. Und im Straßenrennen erkämpfte sich Klein die Bronzemedaille.

„Ich bin super happy mit der Bronzemedaille, ich kann das noch gar nicht glauben. Das war ein langer Weg, ich hätte nicht gedacht, dass es reicht und bin super glücklich, dass ich das so lange durchgehalten habe,“ sagte die 23-Jährige nach dem Zieleinlauf. Weil sie sich in den letzten Wochen im Training sehr auf das Zeitfahren fokusierte, wusste sie nicht, wie sie das Staßenrennen durchstehen würde. „Ich merke, dass ich noch nicht soweit bin wie die älteren und erfahreneren Kolleginnen, aber dass ich da mitfahren konnte, davon hätte ich vor einem Jahr nicht mal geträumt“, freute sie sich über ihr hohes Niveau, das sie im Herbst mit einer weiteren Silbermedaille bei der Bahn-EM krönte. In Apeldoorn holte das deutsche Quartett Silber im Vierer, im Februar gewann Klein schon Bronze in der Einerverfolgung bei der Weltmeisterschaft im polnischen Pruszkow. Das macht in der Summe: Sechsmal Edelmetall für die Powerfrau, die außerdem auf der Straße den Gesamtsieg in der Healthy Ageing Tour sowie der BeNe Ladies Tour feierte und einen Etappensieg in der Thüringen-Rundfahrt holte.  Und dann gewann sie beinahe so nebenbei den Deutschen Meistertitel im Einzelzeitfahren auf der Straße und wurde Zweite im Straßenrennen hinter Lisa Brennauer, mit der sie oft zusammen im Vierer am Start steht. Den Kampf gegen die Uhr auf der Straße, das ist die Lieblingsdisziplin von Klein, dafür brennt sie.

Im Corona-Jahr 2020 jubelte Klein bei den Europameisterschaften in Ploauy, wo sie mit der Mannschaft Gold im Teamzeitfahren auf der Straße gewann. 

Klare Ansage: In Tokio nach Gold greifen

Ein sehr emotionaler Moment ihrer Karriere war auch der Gewinn der Bronzemedaille mit dem Vierer bei den Weltmeisterschaften vor heimischem Publikum Ende Februar 2020 in Berlin. „Wir haben bewiesen, dass wir die besten Verfolgerinnen der Welt sind. Nach heute und nach der Vorstellung im Vierer wissen wir, was wir können. Darum kann unser Ziel nicht sein, eine Medaille in Tokio zu gewinnen, wir müssen nach Gold greifen!“ machte sie in Berlin eine klare Ansage. Und die gilt auch noch heute, eineinhalb Jahre nach Berlin. In Tokio möchte Lisa Klein einen weiteren Glanzpunkt in ihrer ohnehin schon sehr erfolgreichen Karriere setzen.
Verfasst von BDR

Erschienen in Radsport am 14. Mai 2021

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