Hallen-DM 2022: Serientitel, Sprint-Königin und ein Abschied

Vor 1.600 Zuschauern haben die deutschen Leichtathletinnen in der Quarterback Immobilien-Arena Leipzig am Wochenende für emotionale Momente gesorgt. Kugelstoßerin Christina Schwanitz feierte bei den Deutschen Hallenmeisterschaften ihren Abschied.

Tatjana Pinto ist zurück auf dem Sprint-Thron in der Halle. Die Neu-Wattenscheiderin ließ in starken 7,16 Sekunden ihrer schnellen Konkurrenz in Person von Gina Lückenkemper (SCC Berlin; 7,20 sec) und auch der aufstrebenden Sophia Junk (LG Rhein-Wied), die in 7,22 Sekunden auf den dritten Platz mit Bestzeit lief, keine Chance. 7,16 Sekunden waren die schnellste Zeit der mehrfachen Deutschen Meisterin seit dem Jahr 2018. „Ich komme langsam wieder richtig ins Rollen“, sagte Tatjana Pinto, die fest mit einem Start bei der Hallen-WM plant.

Roleder feiert Comeback nach Babypause

Cindy Roleder (SV Halle) feierte über 60 Meter Hürden nach ihrer Babypause ein erfolgreiches Comeback auf nationaler Meisterschaftsbühne. Mit ihrem bekannt sagenhaften Finish warf sich die ehemalige Europameisterin noch mit dem letzten Schritt um den Hauch einer Tausendstelsekunde vor der Wattenscheiderin Monika Zapalska ins Ziel. Beide blieben zeitgleich in 8,13 Sekunden unter der Norm für Belgrad. „Ich bin so happy, wieder da und konkurrenzfähig zu sein“, sagte Cindy Roleder. Absolut beeindruckend war im Schatten der beiden Protagonistinnen aber auch die Leistung der erst 19-jährigen Hawa Jalloh (Wiesbadener LV). Die Deutsche Jugend-Hallenmeisterin schob sich in 8,17 Sekunden bis auf elf Hundertstel ran an die deutsche U20-Bestleistung, die seit 1983 Ulrike Denk (ASV Köln) hält.

Foto: DLV/Theo Kiefner

Emotionaler Abschied von Schwanitz

Das Kugelstoß-Finale der Frauen war gar ein historisches. Zum einen weil Sara Gambetta (SV Halle) bei ihrem ersten Hallentitel unter dem Hallendach mit 19,05 Metern erstmals die 19-Meter-Marke knackte. Zum anderen aber, weil hier die große Dame des deutschen Kugelstoßens Christina Schwanitz (LV 90 Erzgebirge) ihr sofortiges und für viele überraschendes Karriereende verkündete. Die Weltmeisterin, Europameisterin und dreizehnfache Meisterin verabschiedete sich mit 18,49 Metern und Bronze aus dem Kugelstoßring. Das Ende einer Ära.

Foto: DLV/Theo Kiefner

Sara Gambetta schob sich mit ihrer Siegesweite auf Platz sechs im aktuellen Weltvergleich. Silber holte sich Christina Schwanitz‘ Trainingskollegin und Olympiateilnehmerin Katharina Maisch (LV 90 Erzgebirge), die mit 18,54 Metern erneut über der geforderten Norm für die Hallen-WM blieb.

Fünfter Titel in Folge für Mihambo

Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) war der gefeierte Star der Deutschen Hallenmeisterschaften in der Quarterback Immobilien Arena in Leipzig. Deutschlands "Sportlerin des Jahres", die aktuell alle Freiluft-Titel im Weitsprung innehat, überragte mit 6,81 Metern. Es war der weiteste Sprung bei Deutschen Hallenmeisterschaften seit 27 Jahren. Zuletzt war 1995 Heike Drechsler mit 6,90 Metern weiter gesprungen als die Ausnahmeathletin. Es war ihr fünfter Hallentitel in Serie.

Foto: DLV/Theo Kiefner

„Es war so schön, wieder vor Publikum einen Titel holen zu können“, sagte Malaika Mihambo. „Mein Anlauf ist deutlich stabiler geworden. Diese Gewissheit nehme ich jetzt mit ins Trainingslager.“ Denn wie angekündigt wird die 28-Jährige, trotz ihrer aktuellen Führung in der Weltbestenliste, nicht bei den Hallen-Weltmeisterschaften Mitte März in Belgrad (Serbien) an den Start gehen. Zweite wurde wie im Vorjahr die Göttingerin Merle Homeier, die ihre Bestleistung von 6,66 Metern egalisierte, vor Lea-Jasmin Riecke (Mitteldeutscher SC, 6,26 m).

Verfasst von Alexandra Dersch/DLV

Erschienen in Leichtathletik am 28. Februar 2022

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