Wintersport

It’s a Match: Startup equalchamps bringt Sportlerinnen und Sponsorings zusammen

Exklusiv93 Prozent aller Gelder im Sportsponsoring gehen an Männer. Um die Voraussetzungen im Leistungssport für Frauen zu verbessern, haben Laura Elbers und Lina Soffner eine Plattform entwickelt, die mittels Algorithmus passende Sponsorings generieren soll.

Mehr als 30 Milliarden US-Dollar fließen weltweit durch Sponsorengelder in den Sport. Ganz vorne dabei: Tennisstar Roger Federer, der 2020 insgesamt 86 Millionen von seinen Sponsoren erhielt. Doch von all diesen enormen Summen erhält der Frauensport nur einen Bruchteil. Insgesamt sieben Prozent fallen weltweit für Mannschaften und Einzelsportlerinnen ab. Auch in Deutschland sind die Unterschiede groß, wo vor allem der Männerfußball bei Sponsorengeldern die Nase vorn hat. Dieses Ungleichgewicht zu verändern, hat sich ein junges Startup aus Oldenburg zum Ziel gesetzt.

Per Algorithmus zueinander finden

Laura Elbers (27) und Lina Soffner (28) haben im Sommer 2021 die Plattform equalchamps gegründet. Mittels eines mathematischen Algorithmus sollen dort Sportlerinnen und Sponsor:innen zueinander finden. Je nach Nutzerdaten werden Unternehmen und Athletinnen gematcht. „Die erste Version geht im September online. Nach und nach wollen wir die Plattform dann um zusätzliche Features erweitern“, sagt Lina Soffner, die sich vor allem um Marketing und Kundenmanagement kümmert. Equalchamps will künftig auch mit Medien kooperieren, um die Sichtbarkeit von Sportlerinnen zu erhöhen und sie dadurch für Sponsor:innen noch attraktiver zu machen.

Ungleichgewicht beim Sportsponsoring

Die Idee zu equalchamps hatten Laura Elbers und Lina Soffner im gemeinsamen Studiums zu Management und Entrepreneurship an der Leuphana Universität Lüneburg. Die sportbegeisterten Gründerinnen haben auch durch eigene Erfahrungen festgestellt, dass in Sachen Sportsponsoring noch keine Gleichberechtigung herrscht. „Eine Freundin von uns spielt Handball in der zweiten Bundesliga, muss aber trotzdem selbst ihre Anreisen selber bezahlen. Ihr Freund spielt ebenfalls Handball, jedoch einige Ligen weiter unten. Der bekommt die Fahrten bezahlt“ erzählt Laura Elbers, die bei equalchamps besonders die Finanzen und das Business Development im Blick hat. Studien und Statistiken haben die Erfahrungen ihrer Freundin bestätigt.

Laura
Elbers und Lina Soffner. Foto: privat

Obwohl es mit der Plattform erst im September so richtig losgehen soll, gehören schon einige Sportlerinnen zur equalchamps-Familie: Basketball-Nationalspielerin Svenja Brunckhorst, Fechterin Anne Sauer, das Eishockey-Bundesligateam Mad Dogs Mannheim, Akrobatik Laura Karczmarzyk und zahlreiche weitere Sportlerinnen haben sich auf der Plattform registriert, um dadurch an Sponsorings zu kommen. Teilweise sogar schon mit Erfolg, wie bei Profi-Fechterin Anne Sauer: "Ich bin so froh darüber, dass Laura und Lina sich so für uns Athletinnen einsetzen und dass es dann noch so schnell mit einer so tollen Kooperation und großen Firma geklappt hat, ist wirklich perfekt."

Mutig an die schwierige Aufgabe

Ein Business Angel hilft Laura Elbers und Lina Soffner dabei, das Startup zu entwickeln. Finanzieren soll sich die Plattform später durch Provisionen der vermittelten Sponsorings. Dass es kein einfaches Unterfangen wird, genügend Sponsor:innen für den Frauensport zu begeistern, da sind sich die beiden Gründerinnen einig. Entmutigen lassen sie sich aber nicht. Laura Elbers sieht eine gute Chance für equalchamps: 

Für viele Unternehmen wird es immer wichtiger, klare Haltung zu zeigen und sich zu Gleichheit und Gleichberechtigung zu bekennen.

Aktuell konzentriert sich das Startup auf den deutschen Raum, soll aber in Zukunft auch für die Schweiz und Österreich erweitert werden. Denn die ungleiche Bezahlung von Sportlerinnen und Sportlern ist schließlich kein deutsches Problem. Unter den Top 50 bestbezahlten Athlet:innen weltweit befinden sich auch 2021 lediglich zwei Frauen: Auf Rang zwölf Tennis-Star Naomi Osaka, mit 55 Millionen US-Dollar Sponsoren- und Werbeeinnahmen, und auf Rang 28 Serena Williams mit 40 Millionen. Auch wenn diese Summen sehr hoch sind: Im Vergleich zu den Männern können sie nicht mithalten.


Ab dem 15. September starten equalchamps mit ihrer Plattform. Und so können Sportlerinnen und Unternehmen Teil von equalchamps werden: Sie kontaktieren das Team oder legen sich direkt ein kostenloses Profil an. Basierend auf den Profildaten werden durch einen Matching-Algorithmus passgenaue Sponsoringvorschläge generiert. Mehr Infos unter equalchamps.de

Erschienen in Frauen im Sportbusiness am 15. September 2021

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