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Meinung

Kampfgeist statt Karriereende: Karateka Sophie Wachter will sich noch einmal beweisen

ExklusivEigentlich wollte sie die Karriere im Leistungssport beenden – doch Corona hat ihre letzten Wettkämpfe verhindert. So einfach will Karateka Sophie Wachter nun nicht aufgeben. Nach ihrer Schulter-OP will sie nun noch einmal angreifen.

Als Sportfrauen mit Sophie Wachter telefoniert, rauscht es etwas im Hintergrund. Die Karateka sitzt im Auto, auf dem Weg von der Physiotherapie zu ihrer neuen Arbeitsstelle bei einem Unternehmen für Sicherheitstransporte. Auf 450-Euro-Basis hat Sophie dort schon vor Corona gearbeitet – nun steigt sie verstärkt ein. „Eigentlich verdiene ich mein Geld als Trainerin und Athletin und wollte in diesem Jahr viele Seminare geben“, erzählt die 27-Jährige, natürlich über die Freisprechanlage. Doch aus den Plänen wurde wie bei vielen Menschen hierzulande nichts.

Schulter-OP statt Karrierehöhepunkt

EM abgesagt, die WM auch, die Olympischen Spiele verschoben. Dabei wollte Sophie, die wegen ihrer kontaktfreudigen Art bei Kolleginnen auch als „Small Talk Queen“ bekannt ist, in diesem Jahr nochmal so richtig Gas geben. „Bei den Deutschen Meisterschaften im März war ich total fit und dachte mir, das wird jetzt meine Saison. Ich wollte mich voll auf den Sport konzentrieren, zumindest noch ein Jahr.“ Stattdessen hat Sophie eine für kommendes Jahr geplante Schulter-Operation vorgezogen – ein Riss des Labrums auf der linken Seite. Daher die Physiotherapie.

„Bei den Deutschen Meisterschaften im März war ich total fit und dachte mir, das wird jetzt meine Saison. Ich wollte mich voll auf den Sport konzentrieren, zumindest noch ein Jahr.“

„Ich habe schon in den vergangenen Jahren lernen müssen: Egal, was man plant, das Leben funkt immer dazwischen.“ Damit meint Sophie zum Beispiel ihre Verletzungen, auch die andere Schulter musste schon operiert werden. Daher versucht sie die Situationen jetzt einfach zu nehmen, wie sie kommen – wenn auch die Absagen aufgrund der Corona-Krise „unheimlich weh tun“.

Die Weltmeisterin im Kata Team von 2014, die seit mehr als zehn Jahren bei Welt- und Europameisterschaften startet, wollte ihre Karriere im Frühjahr 2021 beenden. Nachdem sie noch ein paar letzte Wettkämpfe mitgenommen hätte. „Jetzt steht da ein großes Fragezeichen, niemand weiß, wann wirklich wieder Wettkämpfe stattfinden. Doch jetzt einfach ganz normal weiter zu trainieren und beruflich alles liegen zu lassen, funktioniert nicht“, sagt Sophie. „Das gibt das finanzielle Unterstützungssystem in Deutschland einfach nicht her.“

Kampfkunst gegen einen imaginären Gegner

Karate ist für die 27-Jährige der wichtigste Bestandteil ihres Lebens – seit mehr als 20 Jahren. Daher will sie sich auch nicht abwenden vom Sport, selbst wenn die aktive Karriere irgendwann beendet ist. Die extreme Körperbeherrschung und Koordination faszinieren Sophie, seit sie mit sechs Jahren den ersten Kurs absolviert hat. Zuerst einfach nur, weil sie dem älteren Bruder nacheifern wollte, aber schnell war klar: Sophie hat Talent. Also ist sie dabei geblieben und hat Wettkämpfe in Kata absolviert, der Kampfkunst gegen einen imaginären Gegner. Zwar macht Sophie auch Zweikämpfe, aber das nur zu Trainingszwecken. Besonders Kata Team mit zwei weiteren Karateka hat es ihr angetan. „Die Bewegungen müssen dabei perfekt aufeinander abgestimmt sein, das fasziniert mich.“ Und wenn es um eine Entscheidung im Wettkampf geht, zeigen die Athletinnen einen einstudierten Kampf mit vielen Würfen. Spektakulär anzusehen und für Sophie ein großer Spaß.

„Die Bewegungen müssen dabei perfekt aufeinander abgestimmt sein, das fasziniert mich.“

Seit ihrer Zeit bei der Bundeswehr studiert Sophie noch Wirtschaftspsychologie. „Nach meiner ersten OP habe ich gemerkt, wie schnell der Traum vom Profisport vorbei sein kann. Also habe ich mich für das Teilzeitstudium entschieden. Ich arbeite selbst schon lange mit einem Mentaltrainer und fand die Kombi aus Wirtschaft und Psychologie spannend.“ Ob sie den Abschluss dann auch wirklich nutzen wird, weiß Sophie noch nicht. Sie hat viele Kontakte geknüpft, auch der Job beim Sicherheitsunternehmen rührt daraus. Der Chef dort war selbst einmal Karatekämpfer und das Unternehmen sponsort Sophie im Sport.

Zunächst wird Sophie aber die Physiotherapie weitermachen und langsam wieder ins Training einsteigen. Abgeschlossen hat sie mit der Sportkarriere noch nicht. Sie will noch einmal beweisen, was in ihr steckt.

Erschienen in Kampfsport am 06. August 2020

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